„Dolemite is my Name“ mit Eddie Murphy bei Netflix

„Dolemite is my Name“ bei Netflix : Gut geknaubt ist halb gewonnen

Der Netflix-Film „Dolemite is my Name“ schildert die knallbunte Karriere des Musikers und Komikers Rudy Ray Moore, der in den 1970ern mit fröhlichem Dilettantismus auch Filme drehte. Die Komödie bietet Eddie Murphy die beste Rolle seit vielen Jahren.

Verschlissen? Vergessen? Eddie Murphys Karriere ist jedenfalls die letzten Jahre vor sich hin gedümpelt. In schwachen und harmlosen Komödien wirkte er bei allem Aktionismus etwas desinteressiert. Wie erfrischend ist da sein jüngster Film „Dolemite is my Name“, eine knallbunte Wundertüte mit Komik, ein bisschen Tragikomik und auch noch einer herzerwärmenden Botschaft. Die klingt zwar verkitscht und ist altbekannt, aber man glaubt sie nur allzu gerne – besonders, wenn sie so charmant präsentiert wird wie hier: Man kann alles erreichen im Leben, wenn man es nur wirklich, wirklich versucht: Zum Beispiel Filmemacher und Schauspieler werden, obwohl man weder eine Ausbildung genossen hat noch ein übergroßes Talent besitzt.

Das jedenfalls gelang dem amerikanischen Musiker/Komiker Rudy Ray Moore (1927-2008), den Murphy in „Dolemite is my name“ spielt. Moore hatte sich einige Zeit als Conferencier und Stand-Up-Komiker abgemüht, – ziemlich erfolglos –, bis er in den 1970ern eine fulminante Bühnenfigur erfand: Dolemite, einen großspurigen Zuhälter in edlem Zwirn, der sein übergroßes Selbstbewusstsein in sehr bildhafte, selten jugendfreie Sätze goss, die gereimt und rhythmisch heruntergerattert durchaus wie eine Frühform des Rap klingen. Kein Wunder also, dass manche HipHopper Moore heute als Pionier des Rap bezeichnen – unter ihnen Snoop Dogg, der im Film als Hommage auch eine kleine Rolle spielt.

Moore träumte damals auch vom Kino – und die Gelegenheit war vergleichsweise günstig, dank des aktuellen „Blaxploitation“-Booms: Mit schwarzen Helden in günstig heruntergekurbelten Actionkrimis wie „Superfly“, „Shaft“ oder „Black Caesar“ lockten erstmals Filme gezielt das afro-amerikanische Publikum ins Kino. Das wollte auch Rudy Ray Moore und brachte als Produzent und Hauptdarsteller mit viel Enthusiasmus und wenig Geld Filme wie „Disco Godfather“ und „The Human Tornado“ auf den Weg, die durchaus erfolgreich waren und heute von Cineasten ohne Scheuklappen gefeiert werden: für eine irgendwie unschuldige und gut gelaunte Amateurhaftigkeit, für fast surreale Kampfkunst-Szenen ohne sichtliche Kampfkunst und Macho-Klischees, die lustvoll bedient und zugleich parodiert werden: Bei einer Sexszene mit dem wohl überpotenten Dolemite wackelt buchstäblich die Wand (bis die Zimmerdecke bröckelt).

Rudy Ray Moore 1976 im Blaxploitation-Krimi „Monkey Hustle“. Foto: picture alliance / Everett Colle/dpa Picture-Alliance / Courtesy Everett Collection

Wie der findige Moore das alles gemacht (und mühsam finanziert) hat, erzählt nun die Komödie „Dolemite is my Name“; nach den Desinteresse-Bekundungen großer US-Filmstudios hat ihn der Streaming-Anbieter Netflix produziert, wo der Film seit einigen Tagen zu sehen ist.

Die Drehbuchautoren Larry Karaszewski und Scott Alexander, die auch schon dem im Glauben an sich selbst unerschütterlichen Kino-Knauber Ed Wood ein Denkmal setzten (1994 von Tim Burton mit Johnny Depp verfilmt), erzählen von Moores holprigen Anfängen als Komiker bis zur Premiere 1975 von „Dolemite“. Im Grunde eine klassische Aufstiegsgeschichte vom Mann, der nach oben will, ein Wohlfühlfilm; aber so voller Charme und Spiellust, dass man den eigentlich schematischen Plot gerne verzeiht – und sogar einen tränendrüsigen Satz wie „Ich will, dass die Welt weiß, dass es mich gibt“. Den spricht, als Moore, Murphy, der hier seine beste Rolle seit vielen Jahren hat: Die großspurigen Auftritte der Figur Dolemite mit ihrer rhythmischen Sprache und den derben Flüchen sind wie gemacht für Murphy, der in den gefühligeren Szenen dann durchaus berührt: als Mann, der sich abstrampelt und ahnen lässt, dass seinem Enthusiasmus manchmal ein wenig die Luft ausgeht – wenn ein Filmverleiher ihm etwa mitteilt, dass er für einen Actionhelden etwas zu rund um die Hüfte sei.

Der Film feiert dabei nicht nur Moores fröhlichen Dilettantismus, sondern auch die Liebe zu einem bewusst trivialen, ironischen Kino. Wenn Moore etwa einen ambitionierten Autor für seinen Film anheuert, dem dann aber erklärt, dass der Film statt sozialen Realismus’ etwa eher „Bruce-Lee-Shit“ brauche – und eine weibliche Kung-Fu-Armee. Da wundert es nicht, dass im Film Moore sich zwar einen Billy-Wilder-Film anschaut (die Komödie „Extrablatt“), die älteren weißen Herrschaften Jack Lemmon und Walther Matthau aber komplett unwitzig findet.

Der Rassismus der Zeit bleibt ein Thema im Hintergrund: Die Kamera des holprig finanzierten „Dolemite“-Films wird von weißen Filmstudenten bedient, weil schwarze Filmstudenten damals sehr selten sind; oder ein (weißer) Filmverleiher erklärt, dass er von zwei Filmsparten lebt: von knalligen „Blaxploitation“-Filmen in den Städten und reaktionären Hillbilly-Filmen auf dem Land. Letzteres stört Moore wenig, hat er doch einen Interessenten für sein Filmdebüt gefunden. Da schmerzt ihn auch ein (realer) Verriss nicht: Der bekundet recht uncharmant, dass „Dolemite“ so schlecht sei, dass man ihn nicht einmal einem blinden Hund zeigen dürfe.

Der Film ist bei Netflix zu sehen.

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