Dieter Kosslich leitet die Berlinale vom 7. bis 17. Februar zum letzten Mal.

Berlinale : Dieter Kosslicks letzte Runde als Berlinale-Chef

Die 69. Berliner Filmfestspiele vom 7. bis 17. Februar stehen unter dem Motto „Das Private ist politisch“.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, der 2019 nach 18 Jahren seinen Abschied vom Filmfest feiert, will den Stab an seine Nachfolger Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek betont herzlich überreichen. „Wir werden die Übergabe so machen, dass auch jeder sieht, dass wir Freunde sind“, sagte der 70-Jährige gestern bei der Programmpressekonferenz in Berlin. Auch gemeinsame Auftritte auf dem roten Teppich seien geplant. Vor einem Jahr hatte es Kritik an Kosslicks Filmauswahl und Debatten über die Suche nach einer neuen Festivalleitung gegeben.

In diesem Jahr nannte Kosslick als Motto der Berlinale den 68er-Spruch „Das Private ist politisch“. Themen im Wettbewerb sind etwa Kindheit und Familie, Gendergerechtigkeit, Kirche und Patriarchat sowie die politische Lage in Brasilien. Zudem kündigte der Berlinale-Direktor an, als „Extraslot“ die Dokumentation „Who Will Write Our History“ am 10. Februar um 22.30 Uhr im Kino International zu zeigen – „und alle AfD-Mitglieder dürfen kostenlos rein“. Der Film von Roberta Grossman handelt von einem Geheimarchiv im Warschauer Ghetto, das bezeugen sollte, wie die Juden dort lebten und ermordet wurden.

Insgesamt werden vom 7. bis 17. Februar 400 Filme gezeigt, 23 laufen im Wettbewerb, 17 davon konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 16. Februar vergeben werden. Aus Deutschland sind drei Filme im Rennen: Fatih Akins „Der Goldene Handschuh“ über die Hamburger Kiezkneipe, Angela Schanelecs „Ich war zuhause, aber“ über das Verschwinden eines 13-jährigen Schülers und Nora Fingscheidts Debüt „Systemsprenger“ über ein neunjähriges Mädchen, mit dem alle pädagogischen Systeme überfordert sind.

Zu den internationalen Produktionen gehören das von Netflix angekaufte Drama „Elisa y Marcela“ der Spanierin Isabel Coixet, eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte zweier Frauen, die 1901 heirateten, nachdem eine von ihnen eine männliche Identität angenommen hatte. Der Franzose Francois Ozon widmet sich mit „Grâce à Dieu“ dem aktuellen Prozess gegen Kardinal Barbarin, Erzbischof von Lyon, der viele Jahre den sexuellen Missbrauch Minderjähriger deckte. Eröffnet wird die Berlinale mit dem dänischen Film „The Kindness of Strangers“ von Lone Scherfing über das Überleben im Winter in New York.

Außer Konkurrenz laufen unter anderem die Politsatire „Vice – der zweite Mann“ von Adam McKay mit Christian Bale als US-Vizepräsident Dick Cheney, der Aretha-Franklin-Dokumentarfilm „Amazing Grace“ von Alan Elliott und der israelische Agententhriller „The Operative“ von Yuval Adler. Im Berlinale Special sind etliche Dokumentationen zu sehen, darunter „Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour“ von Cordula Kablitz-Post und „Watergate – Or How We Learned to Stop an Out of Control President“ von Charles Ferguson.

Den Vorsitz der Internationalen Jury hat die französische Schauspielerin Juliette Binoche. Ihr zur Seite stehen die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller, der US-Filmkritiker Justin Chang, der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, der Filmkurator des Museum of Modern Art in New York, Rajendra Roy, sowie die britische Schauspielerin und Filmproduzentin Trudie Styler.

Der Goldene Ehrenbär für ein Lebenswerk geht an die britische Film- und Theaterschauspielerin Charlotte Rampling, der auch die Hommage gewidmet ist. Mit der Berlinale Kamera werden die belgische Filmemacherin Agnes Varda, der langjährige Leiter der Berlinale-Sektion Panorama, Wieland Speck, der frühere DEFA-Regisseur und Drehbuchautor Herrmann Zschoche und die Gründerin des Independent Filmmaker Project (IFP), Sandra Schulberg, geehrt.