„Diese Krankheit ist nicht ausgestorben“

Berlin · Allen äußeren Kriterien nach passt dieser Film bestens in den Berlinale-Wettbewerb. "Alone in Berlin" ist nicht nur eine internationale Produktion, die teils in der Hauptstadt realisiert wurde. Basierend auf Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" erzählt er auch eine wahre Begebenheit im Zweiten Weltkrieg, für die ein namhaftes Ensemble verpflichtet wurde: Brendan Gleeson, Daniel Brühl und Oscar-Preisträgerin Emma Thompson reisten gestern an."Alone in Berlin" beginnt mit dem Tod eines jungen deutschen Soldaten, dessen Vater (Gleeson) bis dahin überzeugt dem Führer folgte.

Die Nachricht wandelt ihn: Fortan schreibt er Postkarten mit Widerstandsnachrichten, die er mit seiner Frau (Thompson) in der Stadt verteilt. "Es gibt wieder eine Bewegung nach rechts", sagte Brühl über den Bezug des Films zur Gegenwart. "Wir müssen aufmerksam sein, dass uns rassistische und faschistische Ideen nicht wieder vergiften. Denn diese Krankheit ist nicht ausgestorben." Für Kritik in der Pressekonferenz sorgte allerdings, dass auf Englisch gedreht wurde. "Wir wollten den Film damit auf ein internationales Level bringen", meinte Regisseur Vincent Perez. Vor allem Thompson und Gleeson spielen diese Geschichte eines stillen Widerstands in einer Atmosphäre von Angst und Bespitzelung gewohnt feinfühlig. Die Schwächen liegen in der Inszenierung: an einer gewissen Kulissenhaftigkeit. An den zu sorgfältig arrangierten Komparsen, die auf ihren vorgesehen Plätzen der Szenerie Lebendigkeit verleihen sollen. Und an der Filmmusik, die dramatisch über viele Szenen schwappt. Das ist alles etwas zu glatt, zu gediegen inszeniert - so kann "Alone in Berlin" denn auch nicht vollends überzeugen.

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