Die Woche der Nobelpreise

Am Montag beginnt die Woche der Nobelpreise : Nobel, aber immer auch umstritten

Heute beginnt die Woche der Nobelpreise. Gibt es bei der Literatur zwei Auszeichnungen?

Sie sind weltweit die wohl wichtigsten Auszeichnungen in Wissenschaft und Gesellschaft. Und sie gelten als Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit und Kreativität eines Landes. In dieser Woche werden wieder die Nobelpreise vergeben: am Montag der Medizin-Nobelpreis, dann folgen am Dienstag und Mittwoch Physik und Chemie, am Donnerstag der Literatur- und am Freitag der Friedensnobelpreis.

Gestiftet hat die Preise der Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). Seit 1901 werden sie an seinem Todestag, dem 10. Dezember, in Stockholm und Oslo überreicht. Bislang sind (inklusive Wirtschaft) 590 Preise verliehen worden; 935 Personen und Organisationen wurden ausgezeichnet, darunter 52 Frauen, 856 Männer und 27 Organisationen.

Nobelpreise verändern Leben und Karrieren. „In zehn Minuten wird Ihr Nobelpreis der Presse bekannt gegeben, und danach sind Sie kein freier Mensch mehr“, erfuhr der Stuttgarter Physiker Klaus von Klitzing am 16. Oktober 1985 um 11.20 Uhr. Dennoch: Selbst geniale Erfinder und viel gelesene Schriftsteller haben keineswegs die Garantie, in die Galerie der Preisträger aufgenommen zu werden. Bisweilen gab es heftige Auseinandersetzungen: 1901, als der Franzose Sully Prudhomme den ersten Literaturnobelpreis erhielt, telegrafierten mehr als 40 Schriftsteller an den Russen Leo Tolstoi, es sei eine Schande, dass er übergangen worden sei. Auch Günter Grass galt nach seinem Roman „Die Blechtrommel“ jahrelang als „ständiger Nobelpreiskandidat“, ehe er 1999 doch noch in die Reihe der Geehrten aufstieg.

Besonders umstritten waren viele Friedensnobelpreise: Namen wie Menachem Begin, Le Duc Tho, Kissinger, Arafat und Peres lassen immer wieder die Frage aufkommen, ob es richtig ist, aktive Politiker von Ländern auszuzeichnen, die treibende Akteure eines Krieges waren. Streit gab es 2018 beim Literaturnobelpreis: Belästigungs- und Korruptionsvorwürfe hatten die Jury der Schwedischen Akademie in eine so schwere Krise gestürzt, dass die Akademie schon im Frühjahr beschloss, die Vergabe 2018 auszusetzen. Diesmal könnte es also gleich zwei Nobelpreise für Literatur geben.

Zwiespältig und umstritten, so lässt sich auch Alfred Nobel charakterisieren: Der Tüftler baute ein weltweites Imperium von Fabriken auf und brachte es auf 355 Patente, darunter das Dynamit, das den Bau von Eisenbahnen und Straßen erleichterte, aber auch dem Krieg ein neues, unmenschlicheres Gesicht gab. Auch dieser Zwiespalt mag den Schweden veranlasst haben, einen großen Teil seines riesigen Vermögens, nämlich 30 Millionen damaliger Goldkronen, testamentarisch einem Fond zu vermachen, dessen Zinsen „jährlich als Preisbelohnung an diejenigen verteilt werden sollen, die im abgelaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben“. Nobel starb 1896 mit 63 Jahren, 1901 wurden die ersten Preise vergeben. Mit durchschlagendem Erfolg für Deutschland, das gleich im ersten Jahr die meisten Nobelpreise einheimste und sich bis 1933 den Ruf einer führenden Wissenschaftsnation erwarb.

Der Name Albert Einstein steht für eine der dunkelsten Epochen deutscher Wissenschaftsgeschichte und für den Aufstieg der USA zum Weltmeister der Nobelpreisträger. Der deutsche Jude, der 1921 den Nobelpreis für seine Arbeit zum photoelektrischen Effekt erhielt, wurde 1934 ausgebürgert und wanderte in die USA aus. Ihm folgte ein großer Teil der deutschen Wissenschaftselite. Medizinnobelpreisträger wie Fritz Lipmann und Sir Hans Krebs waren in Deutschland geboren, erhielten ihre Auszeichnung aber als Amerikaner und Brite.

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