Die Pfanne in St. Ingbert ist eröffnet.

St. Ingberter Pfanne : Die Pfanne als „Fest der Diversity“

Mitunter große Kleinkunst – so war der erste Wettbewerbstag der „St. Ingberter Pfanne“.

„Deutschland verändert sich, alles wird bunter – und in diesem Jahr ist die Pfanne so international wie noch nie“, verkündete Oberbürgermeister Hans Wagner zur Eröffnung der 33. St. Ingberter Pfanne. Grund zum Strahlen hatte auch Stamm-Moderator Philipp Scharrenberg, selbst ein Pfannengewinner, der mit „Wir sind wieder mal rappelvoll!“ freilich nicht den Alkoholpegel der Zuschauer, sondern deren Anzahl in der Stadthalle bejubelte.

Frohlocken kann man bei der diesjährigen Ausgabe nicht nur darüber, dass – Stichwort international – einige der Wettbewerber ein „Standbein in anderen kulturellen Räumen haben“, wie Scharrenberg es ausdrückte, um die ermüdende Floskel vom Migrationshintergrund zu vermeiden. Nein, diesmal stimmt auch die Frauenquote. Und mit dem Rollstuhl fahrenden Stand-Up- (oder besser: Sit-Up) Comedian Tan Caglar eifert sogar ein Künstler mit Mobilitätseinschränkung um den Kleinkunstpreis – zu Recht feierte Scharrenberg die Pfanne 2018 als „Fest der Diversity“.

Eine Dreiviertelstunde hat jeder der insgesamt zwölf Teilnehmer an den vier Wettbewerbstagen, um Zuschauer und Juroren zu überzeugen. Zu gewinnen gibt’s – außer einem Anerkennungsbeitrag für jeden – vier mit je 4000 Euro dotierte Preise: Zwei vergibt eine Fachjury, einen das Publikum, und seit 2015 verleiht eine Jugendjury den Preis des saarländischen Ministers für Bildung und Kultur. Scharrenbergs Erläuterung dieser Modalitäten, in Kombination mit seiner virtuos wortspielerischen Lyrik zur Vorstellung der einzelnen Kandidaten, dauerte freilich so lang, dass der erste Abend gewaltig überzog.

Nicht eben leicht hatte es daher der letzte Kandidat am Samstag, scharrten doch einige Zuschauer vor Sehnsucht nach ihrem Bettchen schon mit den Hufen. Dennoch konnte der ehemalige Deutschlehrer aus dem Kraichgau mit griechischem „Integrationshintergrund“ und dem schönen Namen Nektarios Vlachopoulos punkten. Der Humorist und Slam-Poet kombinierte Prosatexte über sein pädagogisches Vorleben mit auswendig vorgetragener Lyrik – eine ebenso komische wie bildungsbeflissene Mischung für Freunde geschliffener Formulierungs- und Vortragskunst. Mit einer rasanten „Vokaltragödie“ wandelte Vlachopoulos meisterlich auf den Pfaden von Ernst Jandl und demonstrierte mit einem kosmopolitischen Witz über die Vorhölle, dass er auch sozialkritisch kann.

Durch und durch gesellschaftskritisch ohne Angst vor Tabus ist dagegen die temporeiche Ethno-Stand-Up-Comedy von Shooting-Star Salim Samatou. Kulturelle Deformationen entlarvt er schon mal über Rassismus unter Tieren und knüpft mühelos Assoziationsketten von Callcenter bis Nationalsozialismus. Allerdings hinterfragt der Mainzer mit indischer Abstammung interkulturelle und etymologische Phänomene so schlagfertig, witzig und unbefangen und mit solchem Spaß am Ausmalen absurder Szenarien, dass sich keinerlei Beklemmung einstellt.

In eine andere Schublade – oder eben doch in keine? – gehört die Komödiantin Rosemie Warth, die den Samstag eröffnete. Ausgebildete Tänzerin und Sängerin, gibt sie das vertrutschelte Mauerblümchen im Faltenkleid, das oberschwäbelnd, mit clownesker Naivität und ohne Berührungsängste die Welt umarmt. Dabei wird Operette gesungen, gejodelt, Alphorn geblasen, bizarr ausdrucksgetanzt und eine spezielle Form des Beatboxings mittels Bonbon-Percussion gepflegt – eine irrwitzige wie lebensklug menschelnde Gesamtkunst-Comedy, mit der die Ulknudel die Halle im Nu eroberte.

Termine und Programm unter www.st-ingbert.de/kultur

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