Die "Milano Festival Opera" bot einen Morricone-Abend in der Congresshalle

Konzerte : Ein Morricone-Soundbad in Saarbrückens Congresshalle

Der große Filmkomponist Ennio Morricone ist jetzt 90 Jahre alt und wird diesen Monat sein wohl letztes Konzert in Deutschland geben – am 21. Januar in Berlin.

Der Begriff lebende Legende ist selten besser angebracht als bei dem Italiener, dessen berühmtester Soundtrack jener des Kultfilms „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist. Auch ohne seine Anwesenheit wird die Musik des Meisters mit regem Zuspruch aufgeführt.

So etwa am vergangenen Sonntag in der Congresshalle, als etwa 600 Zuhörer dem Orchester und Chor namens „Milano Festival Opera“ zuhörten. Der Name ist geschickt gewählt, suggeriert er doch, dass hier Musiker der Mailänder Scala am Werk seien. Tatsächlich ist das Orchester aber ein Verbund von Musikern aus aller Welt, die eben für diese Art Tourneen gebucht werden. Sie lieferten unter der Leitung des polnischen Dirigenten Marcin Wolniewski eine ordentliche Leistung ab, auch wenn es beim Groove von „Come Maddalena“ ein wenig haperte. Sehr gut machten ihre Sache die Solosängerinnen, denen Morricone gerne klagende Gesänge ohne Text auf den Leib schrieb. Dazu der donnernde Chor, die klassischen Orchesterklänge und jene der Rockband – schön, dass die heutige Tontechnik diese Klangwelt auch live möglich macht.

Die originalen Film-Soundtracks hatte Morricone ja im Studio zusammengemischt. Dabei wurde es zu seinem Markenzeichen, dass er leise Instrumente wie die Okarina aus dem Titelthema von „Zwei glorreiche Halunken“ oder die Mundharmonika bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ gegenüber dem Orchester in den Vordergrund rückte. Ersteres Instrument fehlte in der Congresshalle, ihren Part musste die Oboe übernehmen. Aber ohne Mundharmonika, sie ist ja schließlich Teil der Handlung in „Spiel mir das Lied vom Tod“, wäre es natürlich nicht gegangen. Schade aber, dass typische Morricone-Stücke wie das wunderbare „Addio a Cheyenne“ (ebenfalls aus „Spiel mir das Lied vom Tod“) oder das kindlich-verspielte Hauptthema von „Mein Name ist Nobody“ weggelassen wurden für den eher belanglosen Bombast der Filmmusik von „The Mission“. Zu diesem Film hatte die Produktion wohl keine Rechte erlangen können, denn da fehlten die originalen Ausschnitte auf der großen Leinwand über dem Orchester. Die sahen die Zuschauer aber von den Westernklassikern Sergio Leones – jenes Kultregisseurs, der, welch’ Zufall, mit Morricone 1937 in dieselbe Schulklasse ging. Die monumentalen Großaufnahmen erzählten zusammen mit der Musik die überlangen Westerndramen in Kürze – das hinterließ den stärksten Eindruck des Konzerts. Aber auch „Es war einmal in Amerika“ und „Der Clan der Sizilianer“ wurden auf die Weise stimmig präsentiert und machten Lust darauf, sich diese Filme noch einmal anzusehen.

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