1. Nachrichten
  2. Kultur

Die Kino-Umsätze 2020 sind durch Corona eingebrochen

Die Kinobilanz 2020 : Corona macht das Kinojahr zur Katastrophe

2020 war ein schwarzes Jahr auch für die Kinos: Schließung, Öffnung mit Platzbeschränkungen, Filmverschiebungen, erneut Schließung. Wie ist die Bilanz der Kinos – auch die der saarländischen?

80,5 Millionen weniger verkaufte Tickets als im Vorjahr – ein Rückgang von 67,9 Prozent. 706 Millionen Euro weniger Umsatz – ein Rückgang von 69 Prozent. Das ist die brutale Bilanz des Corona-Jahrs 2020 in den deutschen Kinos, die die Filmförderanstalt (FFA) am Dienstag vorgelegt hat. Es war ein katastrophales Jahr für die Kinos: ein Lockdown mit Schließung der Filmtheater im März, dann eine schwierige Wiedereröffnung im Juni – mit beschränktem Platzangebot wegen Hygienemaßnahmen, mit Verleihern, die fast alle kommerziell vielversprechenden Filme verschieben (oder gleich online zeigen). Und seit November sind die Kinos wieder geschlossen – bis wann, ist unklar.

Für 2020 hat die FFA 38 Millionen Kinobesuche gezählt, 2019 waren es 118,6 Millionen. „Ein sehr schlechtes Ergebnis, wie es in dieser Situation aber zu erwarten war“, sagt FFA-Vorstand Peter Dinges. Die FFA habe gemeinsam mit den anderen Förderungen des Bundes und der Länder „alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Not zu mildern. Auch sonstige Hilfsprogramme der Bundesregierung haben geholfen. Trotzdem ist die Lage für die Branche sehr schwierig“.

Im Saarland ist 2020 die Zahl der verkauften Kinotickets gegenüber 2019 um dramatische 70,5 Prozent eingebrochen von 1 054 753 auf 311 039 Karten – nur in Bremen war der Absturz tiefer (71 Prozent). Der Umsatz sank von 8,4 Millionen auf 2,4 Millionen Euro. Immerhin: Die Zahl der Kinos ist laut FFA mit 25 konstant geblieben.

Die aktuelle Situation sei an den wichtigsten Branchen-Kennzahlen aber nicht ablesbar, teilt die FFA mit. So sei die Zahl der Kinounternehmen mit 1227 unverändert, die Zahl der Spielstätten lediglich um sechs auf 1728 zurückgegangen, die Zahl der Leinwände um 35 auf 4926 und die Zahl der Standorte, also der Städte und Gemeinden mit einem Kino, um drei auf 943 – allesamt Verluste, die unter einem Prozent liegen.

Allerdings: „Die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden sich erst im Laufe dieses Jahres zeigen“, sagt Peter Dinges. „Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen die Kinos als Kultur- und Erlebnisorte schon lange schmerzlich vermissen und nur darauf warten, dass die Häuser endlich wieder öffnen dürfen. Deshalb wird es nach dem Neustart wieder richtig losgehen.“

Welche Filme waren die erfolgreichsten? Meistgesehener Film 2020 war der vor dem ersten Lockdown gestartete Will-Smith-Actionfilm „Bad Boys For Life“ mit 1,8 Millionen verkauften Tickets – eine Zahl, so schätzt die FFA, die 2019 nicht für einen Platz in den Jahres-Top 10 gereicht hätte. Auf Platz zwei steht der Zeitreise-Thriller „Tenet“ mit 1,7 Millionen Besuchern – eine insofern beeindruckende Bilanz, als Christopher Nolans Film doch nach dem ersten Lockdown am 26. August startete und unter Platzbeschränkungen in den Kinos lief.

Eine (relativ) gute Nachricht weniger für die Kinos denn für die heimische Filmproduktion: Nachdem Verleiher erfolgversprechende US-Großproduktionen verschoben hatten, blieb mehr Platz für deutsche Filme. Die meistgesehene deutsche Produktion 2020 war „Nightlife“ mit Elias M’Barek, gestartet am 13. Februar, mit 1,4 Millionen Besuchern. Auf dem zweiten Platz steht die Komödie „Die Känguru-Chroniken“, die mit dem Starttermin am 5. März vom ersten Lockdown besonders betroffen war und es so nur auf 809 000 verkaufte Tickets brachte – aber es wird eine Fortsetzung geben. „Jim Knopf und die Wilde 13“ startete am 1. Oktober, so dass dem Film nur vier Wochen bis zum zweiten Lockdown blieben – immerhin 782 000 Tickets wurden verkauft. Durch den Rückzug der potenziellen US-Blockbuster (der Hollywood-Marktanteil sank um 73 Prozent) stieg der Marktanteil deutscher Filme auf 35 Prozent, angesichts der Umstände, wie Dinges es formuliert, „ein bitterer Rekordwert“.

Wie wird das Jahr 2021 für die Kinos aussehen? Man kann nur spekulieren, ob Kurzarbeitergeld und Hilfsgelder über die nun zweite Schließung hinweg helfen oder ob viele Kinos das nicht überleben werden – zumal die großen Studios in den Lockdowns den für Filmtheater bedrohlichen parallelen Kino- und Onlinestart mehrmals getestet haben, jüngst „Wonder Woman 1984“.

Die FFA hat vor einigen Tagen einen bundesweit gemeinsamen Termin für die Wieder-Öffnung gefordert. Es sei „elementar, dass nicht – wie beim ersten Lockdown – wieder ein Flickenteppich mit höchst unterschiedlichen Eröffnungsdaten entsteht und jedes Bundesland ein eigenes Konzept entwirft“, sagte FFA-Präsident Bernd Neumann. Filmverleiher würden neue publikumsträchtige Filme erst anlaufen lassen, wenn sich das finanziell lohne. Das sei nur der Fall, wenn flächendeckend viele Besucher in möglichst viele geöffnete Kinos gehen könnten. „Wenn die Kinos wie im Sommer 2020 nur in einzelnen Bundesländern schrittweise öffnen, fehlen ihnen diese Filme – mit der Folge, dass sie sich nicht ansatzweise von den enormen Verlusten durch die Pandemie erholen werden“, appelliert Neumann an die Regierungschefs der Länder. Zugleich plädiert eine Allianz aller Kino- und Verleihverbände für eine Öffnung an Ostern: „Die wirtschaftlich besonders stark betroffene Kino- und Filmwirtschaft benötigt dringend eine Perspektive, um wieder Fuß zu fassen.“