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"Die Gesundheit geht vor"

Corona und Bayreuth : Der „Supergau“ auf dem Grünen Hügel

Die Bayreuther Festspiele fallen in diesem Jahr aus – ausgerechnet in einem „Ring“-Jahr. Das betrifft auch Pietari Inkinen, den Dirigenten der DRP in Saarbrücken.

Ein Sommer ohne die Bayreuther Festspiele ist kaum denkbar – und dennoch werden sie verschoben, das Coronavirus macht einen Strich durch alle Planungen. Zum ersten Mal seit ihrem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg fallen die Festspiele aus (wir berichteten). Ein 25. Juli also ohne Fanfaren und glamouröse Roben auf dem Grünen Hügel.

Noch Mitte März wollte niemand so richtig daran glauben. Als Lokale schlossen, Theater ihren Betrieb einstellten und Festspiel-Chefin Katharina Wagner ihre „Lohengrin“-Premiere in Barcelona absagen musste. „Wir sind voller Optimismus, dass sich die Situation bessert“, teilte das Pressebüro der Festspiele damals mit. Mit mehr Desinfektionsmittel und einer ständigen Reinigung des Festspielhauses erklärte man dem Virus den Kampf. Eine Absage wäre ein „Supergau“.

Genau der ist nun eingetreten. Und das im denkbar ungünstigsten Jahr – einem „Ring“-Jahr. Der junge Österreicher Valentin Schwarz sollte das vierteilige Mammutwerk auf die Bühne bringen – mit 30 Jahren ähnlich jung wie einst Patrice Chéreau, als der seinen „Jahrhundertring“ inszenierte. Die Verpflichtung von Schwarz, der 2017 den Hauptpreis beim Regiewettbewerb „Ring Award Graz“ gewann, und Dirigent Pietari Inkinen, sonst am Pult der hiesigen Deutschen Radio Philharmonie (DRP), war bei der Verkündung 2019 die große Überraschung. Der Tenor: Die junge Generation übernimmt auf dem Grünen Hügel. Das geschieht nun frühestens 2022. Für 2021, so schreiben die Festspiele, wird es nichts mit den komplizierten Proben. Statt Neuversionen von „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ gibt es nur eine konzertante „Walküre“.

Pietari Inkinen bedauert die Absage in diesem Jahr, wie der Saarländische Rundfunk mitteilt. Für ihn sei es der größte Traum, den Ring in Bayreuth dirigieren zu dürfen.

„Als begeisterter Anhänger der Bayreuther Festspiele und der ausdrucksstarken Musik Richard Wagners bedauere ich es sehr, dass wir dieses Jahr nicht in den Genuss der Aufführungen auf dem Grünen Hügel kommen“, sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU). „Für das kulturelle Leben ist der Ausfall ein herber Verlust.“ Einen kleinen Trost gibt es immerhin: Die bereits für 2020 gekauften Karten blieben für die Saison 2021 gültig, so die Festspiele.

Die Corona-Pandemie wäre wohl immer eine Katastrophe gewesen, in diesem Jahr aber kommt die Vollbremsung besonders für die Festspiele zur absoluten Unzeit. Hatten sie doch im vergangenen Jahr mit dem gefeierten „Tannhäuser“ von Tobias Kratzer lange nicht mehr gekannte Fahrt aufgenommen. So bunt, so laut, so jung und so divers war es noch nie auf dem altehrwürdigen Grünen Hügel.

„Natürlich sind wir traurig, gerade weil wir uns auf eine spannende Neuproduktion des Rings gefreut haben“, sagte Katharina Wagner am Dienstagabend. „Aber Gesundheit geht vor.“