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Theater: Die besetzte Volksbühne ist geräumt

Theater : Die besetzte Volksbühne ist geräumt

Polizei trägt Besetzer heraus, Intendant erstattet Strafanzeige, Kultursenator verteidigt sich.

() Nach sechs Tagen ist die Besetzung der Volksbühne in Berlin zu Ende gegangen. Alle Aktivisten haben gestern das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz verlassen, wie ein Polizeisprecher bestätigte: „Die Intendanz hat wieder selber die Verantwortung in dem Haus.“ Über den Kurznachrichtendienst Twitter kündigten die Theater-Besetzer unterdessen weitere Aktionen an.

Ein Großteil der rund 60 Besetzer hatte nach Polizeiangaben gestern Mittag freiwillig das Theater verlassen. Rund zwölf Personen mussten von Sicherheitskräften hinausbegleitet werden. Davon seien fünf Personen rausgetragen worden, die sich „sanft widersetzt“ hätten. Rund 200 Polizisten waren im Einsatz. Unter anderem mussten Straßen gesperrt werden. Vor dem Polizeieinsatz hatte Volksbühnen-Intendant Chris Dercon Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet.

Die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz war seit Freitag von Aktivisten besetzt worden (wir berichteten). Die Besetzer wollten eine „kollektive Intendanz“ erreichen, um mit Stadt, Senat, Mitarbeitern und Künstlern ein neues Konzept zu entwickeln. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Streit um den neuen Volksbühnen-Intendanten und die damit verbundene Neuausrichtung des Hauses.

Bei Gesprächen mit den Besetzern am Mittwochabend habe der Berliner Senat nochmals deutlich gemacht, „dass wir die Besetzung nicht akzeptieren werden“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Sie seien auf Lösungsangebote nicht eingegangen. Proben mussten wegen der Besetzung abgesagt werden.

 Lederer verteidigte sein Vorgehen der vergangenen Tage, an denen er und Dercon mit den Besetzern viel und lange diskutierten. „Aus unserer Sicht ist eine Verhandlungslösung immer das Beste.“ Gleichwohl sei den Besetzern immer deutlich gemacht worden, dass ihre Aktion nicht akzeptabel sei. „Es war zwischen unterschiedlichen Rechtsgütern abzuwägen“, so Lederer. „Eine Räumung des Gebäudes wäre, abgesehen davon, dass die Einsatzkräfte hätten verfügbar sein müssen, mit massiven Gefahren verbunden (gewesen). Aus unserer Sicht war eine Eskalation unverantwortbar.“

  Am vergangenen Wochenende sei es darum gegangen, Gefahren zu minimieren und eine Situation zu vermeiden, „die katastrophale Folgen hätte haben können“. Die Besetzer hätten zu einer Party aufgerufen und mit bis zu 6000 Gästen gerechnet, was womöglich „massive Gefahren für Leib und Leben“ etwa bei einer Panik zur Folge gehabt hätte. Gemeinsam mit allen Beteiligten sei es gelungen, dass über das Wochenende nicht mehr als 500 Leute im Gebäude gewesen seien. Nach der Räumung kündigte Dercon an: „Morgen werden wir den Probenbetrieb wieder aufnehmen“.