| 20:40 Uhr

Ausgrabungsstätte Pompeji
„Auferstanden aus Ruinen“, auf Italienisch

 Der  Archäologische Park Pompeji mit Blick auf den Vesuv.
Der Archäologische Park Pompeji mit Blick auf den Vesuv. FOTO: dpa / Lena Klimkeit
Neapel. Die Ausgrabungsstätte von Pompeji galt lange als Symbol für Verfall und Misswirtschaft – doch das ändert sich jetzt. Von Lena Klimkeit

Als Mauern und ganze Gebäude in Pompeji am Fuße des Vesuvs einstürzten, war der Aufschrei groß. Die antike Stadt wurde zum Inbegriff von Misswirtschaft, Inkompetenz, Bürokratie, als Sinnbild für politisches Desinteresse und Mafia-Machenschaften. Mittlerweile kann sich die Ausgrabungsstätte bei Neapel wieder sehen lassen und zeigt spektakuläre Funde. „Der Notstand ist beendet“, sagt Francesco Muscolino. Er ist Archäologe in Pompeji und führt durch die Gassen, in denen Vergangenheit zur Gegenwart wird. Die hohen Räume lassen den Reichtum der Bewohner vor fast zwei Jahrtausenden erahnen: Die Wände sind mit farbenprächtigen Fresken verziert, die Fußböden mit detailreichen Mosaiken. Das frühere Forum säumen noch immer einige wuchtige Säulen der Verwaltungsgebäude der antiken Stadt, die 79 n. Chr. unter einer meterhohen Ascheschicht unterging.


Die Schicht aus Lava, Schlamm und Asche konservierte die Stadt für Jahrhunderte. Pompeji gehört neben dem Kolosseum und dem Forum Romanum zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens. 2018 besuchten mehr als 3,6 Millionen Menschen die Ausgrabungsstätte – und zur Osterzeit zieht der Ansturm wie überall im Land an. Vor einigen Jahren wurden die Besucher Zeugen des katastrophalen Zustands der Unesco-Weltkulturerbestätte. Viele der antiken Häuser waren aus Sicherheitsgründen nicht mehr zugänglich. Lateinische Inschriften wie das bekannte „Cave canem“ (Achtung vor dem Hund) verblassten. Die EU-Kommission stellte 105 Millionen Euro bereit, um den totalen Verfall der Ruinenstätte zu verhindern.

Dieses sogenannte Große Projekt Pompeji habe die große Wende gebracht, sagt die Archäologie-Professorin Monika Trümper von der FU Berlin. „Es sah vor, Pompeji quasi einmal komplett systematisch zu restaurieren, aber auch andere Maßnahmen zu implementieren.“ Im Zuge des Projekts seien fast alle Straßen wieder zugänglich für Besucher. „So dass man wirklich durch die ganze Stadt flanieren kann.“



Anfang des Jahres wurde die Schola Armaturarum wiedereröffnet, die Ausgrabungsstätte feierte es als Zeichen der „Wiederbelebung“. Das Gebäude war 2010 eingestürzt und damit zum Symbol für den Kollaps der Stätte geworden. Mittlerweile ist Pompeji an vielen Stellen sogar barrierefrei: Einige Gehwege, die die aus großen Steinen gelegten Straßen säumen, können mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen befahren werden. Zudem gibt es immer wieder Ausstellungen und Aktionen im Theater: Im Sommer gibt es Aufführungen, zum Beispiel Shakespeares „Der Sturm“.

Gegraben wird natürlich auch noch immer, etwa im Bereich Regio V, wo 2018 wichtige Funde gemacht wurden. Auf Facebook & Co. kann man sich darüber informieren – der Archäologiepark nutzt die sozialen Medien für die Selbstdarstellung. Auf dem Instagram-Profil des wissenschaftlichen Direktors der Grabungen des Regio V, Massimo Osanna, finden sich zahlreiche Bilder, die neue Entdeckungen dokumentieren. Zum Beispiel das Fresko, das den Göttervater Zeus in Gestalt eines Schwans zeigt, wie er der griechischen Mythologie nach die Königstochter Leda verführt.

Der Fund der Überreste eines verschütteten Pferdes außerhalb der Stadtmauern sei die erstaunlichste Entdeckung 2018 gewesen, sagt Osanna. Und noch immer schlummern Schätze unter der Asche. „Es wird Generationen dauern, um alles auszugraben“, sagt Osanna. „Es wird also genug für die Generationen der Zukunft geben.“