Der Tod hat viele Gesichter

Saarbrücken · Viel Applaus gab es für ,,Abendschau“, ein Stück von George Tabori, das das Saarländische Staatstheater in Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Théâtre National du Luxembourg in der Alten Feuerwache auf die Bühne brachte.

 Ulrich Kuhlmann, Christiane Bruit (hinten), Jacqueline Macaulay, Wolfram Koch und Luc Feit in Taboris „Abendschau“. Foto: Bohumil Kostohryz

Ulrich Kuhlmann, Christiane Bruit (hinten), Jacqueline Macaulay, Wolfram Koch und Luc Feit in Taboris „Abendschau“. Foto: Bohumil Kostohryz

Foto: Bohumil Kostohryz

Zu den schlechten Witzen, die er erzählt, schleudert er Konfetti aus dem Ärmel, als glaubte er, dass das Abgestandene dadurch doch noch zündet wie eine Bombe. Im Ernstfall spuckt Fridolin (Wolfram Koch) sogar die bunten Papierschnipsel aus dem Mund. Was tun, wenn einer nicht merkt, dass sein Stündlein geschlagen hat? George Tabori schickt seinem abgehalfterten amerikanischen Komiker in der "Abendschau" den Tod ins Haus, zur Sicherheit gleich noch in mehrfacher Ausführung. Das letzte Werk des großen Theatermanns aus dem Jahre 1979, dessen Aufführung - Ironie des Schicksals - der Unfalltod eines Schauspielers damals verhinderte, gelangt nun als Ur-Inszenierung in die Saarbrücker Alte Feuerwache. Dank Regisseur Frank Hoffmann, der als Leiter der Ruhrfestspiele und des Nationaltheater Luxemburg mit dem Saarländischen Staatstheater kooperiert.

Eine Art moderner Jedermann könnte man nennen, was uns Taboris Vorlage serviert, nur dass Gott, Beckett lässt grüßen, tot ist und der Tod kein Teufel. Er lässt sich nur nicht mehr verdrängen, sondern drängt sich auf: Setzt sich Zeitung lesend an Fridolins Esstisch, auch als monströser Hollywood-Tycon Goldwhine, der Komiker endgültig feuert. Er kriecht als Arzt selbst auf den Behandlungstisch, um dem Hypochonder Fridolin etwas vorzujammern, und als Klempner das Hausdach zum Einsturz. Hoffman forciert die Groteske, lässt aber auch Spiel für Klamauk. Wie eine Freak-Show laufen Christiane Rausch und Roger Seimetz als betagte Todes-und Randgestalten ein, die sich todesmutig enstellen und bis auf die Unterhose nackig machen.

Mit grandioser stoischer Würde humpelt Ulrich Kuhlmann als dreibeiniger Hund durchs Haus. Karl Kneidel (Ausstattung) baute es sinnig als wackligen Berg schäbiger Koffer, Lebenslasten. Gegen die bäumt sich Wolfram Koch immer wieder wie ein Mister 1000-Volt-Mann kurz vor dem Herzinfarkt. Ein schwächeres Ensemble hätte dieser famose Schauspieler so leicht an die Wand gespielt, doch nicht dieses. Der frustierten Ehefrau, die zur typischen US-Kleinfamilie nun mal gehört, verschafft Jacqueline Macaulay mehr Format als erwartet. Luc Feit als Sohn schillert wunderbar trocken zwischen fühvergreist und altklugem Pennäler. Deshalb bleibt nur eine Empfehlung: Hingehen!

Weitere Termine: 13. Dezember, 3. Januar.

Karten: Tel. (06 81) 30 92 486.

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