Deutsche Buchhandlungen in Paris sterben aus: Der Letzte macht die Tür zu

Deutsche Buchhandlungen in Paris sterben aus : Der Letzte macht die Tür zu

Wann in Paris die einzige verbliebene deutsche Buchhandlung schließt, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Dabei geht auch ein Stück deutsch-französischen Dialogs verloren.

  Der deutsche Autor Rainer Moritz stellte hier persönlich „Mit Proust durch Paris“ und „Dicht am Paradies“ vor, Erika Tophoven las aus ihrer Hochstaplergeschichte „Godot hinter Gittern“. Die „Librairie Allemande“ war mehr als eine deutsche Buchhandlung mitten in Paris. Sie war Treffpunkt von Liebhabern deutscher Literatur und französischer Germanistikstudenten. Nun hat der Laden im Quartier Latin nach zweieinhalb Jahren seine Existenz aufgegeben.

Es habe ihr an Großkunden gefehlt, sagt die Noch-Inhaberin Iris Mönch-Hahn. Sie meint deutsche Einrichtungen, von denen es in Paris und Umland einige gibt. Für die vielen Deutschen und ihre Familien, die in der Region Ile-de-France leben, gibt es unter anderem im Vor­ort Saint-Cloud die Deutsche Schule, die Internationale Schule mit einer deutschen Sektion in  Saint-Germain-en-Laye sowie in der Nähe von Versailles das deutsch-französische Gymnasium – dazu das Goethe-Institut oder das Heinrich-Heine-Haus mit seiner Bibliothek. Diese Institutionen würden in Deutschland beim Großhandel bestellen, was allgemein für den unabhängigen Buchhandel eine Gefahr sei, sagt die Händlerin.

Sie habe im Oktober 2016 an diverse Einrichtungen und die Deutsche Botschaft geschrieben. Bis auf  nette Gespräche sei dabei nichts herausgekommen.   An staatliche Unterstützung hat Geschäftsfrau im Kampf ums Überleben auch gedacht. Doch um den Deutschen Buchhandlungspreis für inhabergeführte Unternehmen konnte sie sich nicht bewerben, weil ihr Sitz nicht in Deutschland ist. Und für Subventionen vom französischen Staat hätte sie zur Hälfte französische Bücher in deutscher Übersetzung verkaufen müssen. Auf ihren 40 Quadratmetern machten diese jedoch nur zehn Prozent aus. Sie habe sich auf verlorenem Posten gefühlt, meint sie. Und dann habe sie vor kurzem einen Käufer für ihren Pachtvertrag gefunden.

  Die deutsch-französischen Beziehungen gehen einher mit dem Dialog durch Literatur. Daran erinnert auch eine Kundin auf der noch existierenden Website der „Librairie Allemande“. In einem langen Text spielt sie auf die im Februar 2010 unterschriebene Agenda 2020 an, in der er es um die Vertiefung der Zusammenarbeit beider Länder in den verschiedensten Bereichen geht, darunter auch Bildung und Kultur. Wie kann man sich vor einem solchen Kontext erklären, dass eine deutsche Buchhandlung in der französischen Hauptstadt schließen muss?, lautet ihre Frage. Die kann auch Mönch-Hahn nicht beantworten, denn auch sie verstand ihre Buchhandlung als Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft. Von ihren Kunden waren 90 Prozent Franzosen.

  Erst 2015 schloss in Paris gegenüber dem Centre Pompidou eine deutsche Buchhandlung. Nach über 30 Jahren hatte sich der Hamburger Buchhändler Günther Marissal zu diesem Schritt entschlossen, wegen „zu schwierig gewordenen wirtschaftlichen Fahrwassers“.

  Die Stellung hält noch der Buchladen im Montmartre-Viertel. Doch dessen Inhaberin Gisela Kaufmann hat schon vor Jahren angekündigt, dass sie gerne in Rente gehen wolle. Sie habe eben nur noch keinen Käufer für ihren Pachtvertrag gefunden. Gegründet hat sie ihren Laden vor über 25 Jahren. Auf 30 Quadratmetern bietet sie unter anderem deutsche Literatur und französische Übersetzungen deutscher Originale an – aber wohl nicht mehr lang.

Mehr von Saarbrücker Zeitung