Der Klänge mitreißende Gewalt

Der Klänge mitreißende Gewalt

Im Saarbrücker Jubiläums-Sonderkonzert beweist die Deutsche Radio Philharmonie große Homogenität.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Congresshalle war viel Prominenz zum Sonderkonzert des Saarländischen Rundfunks mit der Deutschen Radio Philharmonie und der Gaechinger Cantorey gekommen. Grußworte sprachen die Ministerpräsidentin, die Saarbrücker Oberbürgermeisterin, der SR-Intendant und ein Vertreter des CCS-Aufsichtsrates. Sie alle wünschten nach erfolgreicher Vergangenheit solches auch für die Zukunft. Musikalisch ging es zurück in die Vergangenheit, zu Meisterwerken der Romantik. Ein fröhlicher und gar nicht akademischer Auftakt wurde die "Akademische Festouvertüre" von Johannes Brahms, ein "sehr lustiges Potpourri aus Studentenliedern", kunstvoll verarbeitet und mit glanzvollem "Gaudeamus igitur" schließend. Chorleiter Hans-Christoph Rademann ließ das Orchester mit üppigem Klang und pauschalierender Diktion die Partitur abarbeiten.

Dann wurden Perlen Brahmsscher Vokalmusik aufgeboten. Die "Alt-Rhapsodie" fand in Anke Vondung eine vollendete Interpretation. Mit großem Volumen und emotionaler Einfühlung sang sie den Goethe-Text von Seelenschmerz bis zum abschließenden Gebet, das von den Männerstimmen der Cantorey kraftvoll unterstützt wurde. Mit "Nänie", auf einen Text von Schiller zurückgehend, der in mythologischen Bildern die Vergänglichkeit des Schönen in ritualisierten Klagegesängen betrauert, zeigte der groß besetzte Projektchor "Gaechinger Cantorey" seine Kompetenz auch in Sachen Romantik. Sowohl die kleingliedrige Kontrapunktik wie auch die weiträumige Melodik wurden klangintensiv, mit geweiteter Dynamik ausgesungen. Die hervorragende Probenarbeit Rademachers war zu spüren, die die musikalisch ausgebildeten Sänger aus ganz Deutschland homogen zusammenschweißte.

Anton Bruckners "Te Deum" wurde zum Höhepunkt des Festkonzertes. Die mitreißende, affirmative Gewalt, der fraglos-gläubige C-Dur-Positivismus, der strahlende Jubel der finalen Doppelfuge gelang dem exzellenten Solistenquartett (Johanna Winkel, Anke Vondung, Corby Welch, Wilhelm Schwinghammer), der Cantorey, der Radio Philharmonie und dem nun in seinem Element agierenden Dirigenten Rademann überwältigend überzeugend. Wäre Steigerung in einem Sakralraum noch möglich gewesen? Die letzten geistlichen Worte können, frei übersetzt, auch für die weltliche Congresshalle gelten: Non confundar in aeternum - sie möge nie zuschanden kommen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung