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„Der Dresdner Mars“ ist wieder zuhause

„Dresdner Mars“ wieder zuhause : Kleiner Mann ganz groß – und wieder da

„Der Dresdner Mars“ ist wieder zu Hause – fast wäre das Kunstwerk für Deutschland verloren gewesen.

Gewachst und auf Hochglanz poliert: Der „Dresdner Mars“ ist ein Kunstwerk von nationalem Rang. Der Florentiner Renaissance-Bildhauer Giambologna (1529-1608) verehrte die Bronzestatuette einst persönlich Sachsens Kurfürst Christian I.; nun ist die etwa 40 Zentimeter hohe Figur Mittelpunkt eines Kunst-Krimis.

Denn der „Dresdner Mars“, der jetzt wieder zurück im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ist, wäre ohne das Eingreifen der öffentlichen Hand und privater Mäzene wohl für Deutschland verloren gewesen. Potente Sammler und Museen in Europa, den USA und Übersee standen mit Millionensummen bereit, als die Bayer AG das Stück aus ihrer Sammlung in London veräußern wollte. Statt es zuerst den SKD anzubieten, die seit Jahren vergeblich um Rückgewinnung ihres verloren gegangenen Schatzes ersuchten, gab der Pharmakonzern es zur Auktion bei Sotheby‘s. Die SKD erfuhren kurz vor Drucklegung des Katalogs davon  per Zufall.

Bayer habe vorab auch keinen Kontakt zu Sachsen oder Nordrhein-Westfalen wegen eines möglichen Verkaufs an eine deutsche Einrichtung gesucht, „geschweige denn über seine Verkaufsabsichten berichtet“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Das Unternehmen habe nur beantragt, das Kunstwerk für ein „mehrjähriges Ausstellungsprojekt“ auszuführen. Das hätte bedeutet, „dass der ‚Mars’ zurückkehren und nicht verkauft würde“. Stattdessen aber sollte er versilbert werden, der Ausrufpreis war mit drei bis fünf Millionen Pfund angegeben. Buchstäblich in letzter Sekunde wurde eine Rettungsaktion orchestriert, „die ihresgleichen sucht“, berichtet SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann.

Bund und Länder, Stiftungen und Förderer machten in kürzester Zeit sehr viel Geld locker, um den „Mars“ für Dresden und Deutschland zu sichern. Allein Grütters steuerte eine Million Euro aus ihrem Haus bei, die SKD ihren Ankaufsetat für 2019 und 2020: 1,3 Millionen Euro. „Hier offenbart sich leider wieder einmal, dass Kunst viel zu oft nur als Ware angesehen wird, als Spekulationsobjekt, ohne ihren kunsthistorischen und gesellschaftlichen Wert zu berücksichtigen“, resümiert Grütters. Auch sie hatte die Bayer AG an deren gesellschaftliche Verantwortung erinnert und aufgefordert, die Bronze nach Dresden zu schenken. Dort war sie über 300 Jahre, bis sie an Sachsens ehemalige Herrscherfamilie der Wettiner ging, die sie zu Geld machte.

Selbst die Urenkel des damaligen Käufers appellierten, die Figur den SKD zu schenken – so wie der „Mars“ 1983 einst in die Bayer-Kunstsammlung kam. Am Ende zog Bayer den „Dresdner Mars“ von der Auktion zurück, der Weg zur Rückkehr des Meisterwerks an den vom Künstler bestimmten Ort war geebnet. Welche Summe Bayer letztlich umstimmte, ist geheim.