Demis Volpi wird Ballettchef an der Oper am Rhein.

Ballett : Demis Volpi wird Ballettchef am Rhein

Der 33-Jährige, der die „Médée“-Oper in Saarbrücken inszenierte, beerbt Martin Schläpfer in Düsseldorf und Duisburg.

Das Ballett der Rheinoper steht vor einem echten Neuanfang. Nicht nur, weil Demis Volpi mit 33 Jahren vergleichsweise jung ist, sondern auch, weil er in Düsseldorf seinen ersten Direktoren-Posten überhaupt antritt. Dennoch bringe Volpi bereits reichlich internationale Erfahrung mit, sagte der mit der Entscheidung sichtlich zufriedene Generalintendant der Rheinoper, Christoph Meyer. Mit Volpi habe man jemanden gefunden, der für das Ballett brenne.

Volpi ist in Buenos Aires geboren und hat nach eigenen Angaben mit vier Jahren zu tanzen begonnen, er ging mit 14 Jahren an die kanadische National Ballet School in Toronto und kam 2002 an die Stuttgarter John-Cranko-Schule, wo er sich zum klassischen Tänzer ausbilden ließ. Stuttgart hielt er anschließend die Treue, wechselte ans dortige Ballett und gehörte bis 2013 der Kompanie an. Anschließend wurde er unter Intendant Reid Anderson Hauschoreograph.

Die Stellung eingebracht hatte ihm seine Kreation „Krabat“, ein Handlungsballett nach dem Roman von Otfried Preußler, das in Stuttgart zum Publikumsliebling avancierte. 2017 trennten sich die Wege dennoch, seitdem ist Volpi Freiberufler. Er choreografierte Stücke von Karlsruhe bis Chicago. Mehr als 40 seiner Kreationen wurden seinen Angaben zufolge weltweit aufgeführt. Außerdem inszenierte er drei Opern: „Don Giovanni“ und „Tod in Venedig“ sowie „Médée“ für das Saarländische Staatstheater. Die Oper hatte im Januar Premiere. Volpi verknüpfte darin Luigi Cherubinis Opera comique „Médée“ mit Iannis Xenakis` Suite für sechs Instrumente und Männerchor „Medea Senecae“ sowie den Monolog der Medea aus Heiner Müllers „Medea-Material“. Die Figur der Medea wurde gesungen und von drei Tänzern getanzt. Ein gelungenes Experiment.

An der Rheinoper tritt er in große Fußstapfen, mehrmals waren die rund 40 Tänzer unter Martin Schläpfers Leitung von Kritikern zur „Kompanie des Jahres“ gewählt worden. Wie er sich die Zukunft des Balletts am Rhein vorstellt, mochte Demis Volpi gestern nur skizzieren. Er wolle das Repertoire pflegen, aber das Handlungsballett stärken, sagte er. „Ich möchte das Repertoire um abendfüllende Ballette erweitern.“ Schläpfer dagegen hatte Gefallen an geteilten Ballett-Abenden gefunden, an denen stets drei Choreographien gezeigt werden.

Volpi möchte zudem die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ausbauen, das wünscht sich im Übrigen auch Intendant Meyer. Denkbar sei laut Meyer auch, dass Volpi als Opern-Regisseur in Erscheinung tritt. Volpi kann sich solche Grenzüberschreitungen ebenfalls vorstellen. „Meine Muttersprache bleibt der Tanz“, betonte er allerdings.

Eine Figur, viele Gesichter: Pauliina Linnosaari und Judith Braun als Medea in Demis Volpis Saarbrücker Opern-Inszenierung. Foto: SST/ANDREA KREMPER

Ob und wie Demis Volpi die Kompanie mit nennenswerten Zu- oder Abgängen umbauen möchte, wollte der Neue nicht sagen. Er habe die Tänzer schließlich soeben erst kennengelernt.