Das zweite Album von Kiefer Sutherland

Das zweite Album von Kiefer Sutherland : Die Gitarre steht neben der Heugabel

Singende US-Schauspieler – ob nun Kevin Costner, Jeff Bridges oder auch Steven Seagal – zieht es auffällig oft in die Welt der Country-Musik. Kollege Kiefer Sutherland ist jetzt auch dabei.

Es ist schon merkwürdig. Wenden sich amerikanische Schauspieler der Musik zu, dann weht meist Country- und/oder Blues-Aroma durchs Studio, der Geruch von Cowboystiefeln und Lederjacken. Kevin Costner etwa gründete 2007 eine vielköpfige Band namens Kevin Coster & Modern West, mit der er bisher vier Alben mit kernigem Folk-Rock aufgenommen und die Welt bereist hat – in unseren Breiten schaffte er es bis ins Luxemburger Den Atelier. Der kommerzielle Erfolg ist überschaubar, was vielleicht auch an Costers Singstimme liegen könnte, die man nach allen Geboten der Höflichkeit als „unaufdringlich“ bezeichnen könnte.

Das lässt sich auch über das Organ von DVD-Premieren-Prügler Steven Seagal sagen, der immerhin zwei Alben veröffentlicht hat, zuletzt 2006 die gar nicht mal grausige, aber doch sehr durchschnittliche CD „Mojo Priest“, auf der immerhin Blues-Legende Bo Diddley mitspielte. Auf einem Pressefoto drapierte Seagal übrigens eine Pistole auf seinem Gitarrenkoffer – vielleicht eine Warnung an allzu böswillige Kritiker.

Das Album "Reckless & Me". Foto: BMG

Auch Kollege Kevin Bacon widmet sich mit seinem Bruder Michael als The Bacon Brothers dem Folk und Blues, ebenso wie Jeff Bridges: Der legendäre „Big Lebowski“-Bademantelträger gewann 2010 einen Darsteller-Oscar als abgehalfterter Country-Musiker im Film „Crazy Heart“. 2011 brachte er dann sein selbstbetiteltes, von T-Bone Burnett produziertes und countrydurchzogenes Album heraus (sinnigerweise auf dem Jazz-Label Blue Note).

Nun kann man grübeln, warum so viele singende Schauspieler sich gerade für Country und Blues interessieren. Vielleicht weil diese Genres als Abwechslung zu einem Beruf der Masken und künstlichen Identitätswechsel (sieht man von Seagals monolithischer Rollenwahl ab) besonders erdverbunden und ungekünstelt wirken? Irgendwie „authentisch“, obwohl auch das ja eine Rolle sein kann (und oft ist)?

Wie auch immer – in die Riege countryrockender Mimen hat sich auch der Kanadier Kiefer Sutherland eingereiht. Einst ein Jungstar („Lost Boys“) mit dezent rebellischer Attitüde, errette ihn einige Jahre später die TV-Reihe „24“ aus einer schwächelnden Kino-Karriere – und machte ihn reich. Einen Teil des Geldes steckt der 52-Jährige nun in sein Plattenlabel Ironworks und in eigene Platten. „Down in the Hole“ war 2016 sein Debüt, jetzt erscheint Album Nummer zwei, „Reckless & Me“. Vor allem konservativere Freunde des Genres sollte es mit einem breiten Grinsen der Zufriedenheit zurücklassen, ist Sutherland doch nicht daran interessiert, hier  etwas Innovatives vorzulegen oder die klassischen Elemente ein wenig gegen den Strich zu bürsten. Es klingt so, als stünde neben Sutherlands Gitarre eine Heugabel, an der noch texanische Erde klebt.

Stattdessen wirft sich der Kanadier mit großer Geste und überwiegend eigenen Stücken hinein in diese klassisch amerikanische Klang- und Textlandschaft; es wirkt fast wie eine Countryrock-Leistungsschau – zwischen den Polen von Schunkelballade und Mitsing-Rock. Mit seiner angenehm rauchigen Stimme besingt er etwa das Schicksal eines einsamen Fernfahrers zwischen drögen Motels und der relativen Freiheit der „open road“; oder den Schmerz des Betrogenwerdens („Run to him“); oder den Reiz nächtlicher Bars („This how it’s done“) und die eigene Tochter („Song for a daughter“). Originell ist das nun nicht zwingend, sondern eher gut abgehangen, so wie das gute alte Beinkleid, das Sutherland besingt („Faded pair of blue Jeans“); aber es ist mit einer exzellenten Band sehr erdig eingespielt, mit Refrains, die sofort ins Ohr gehen. Kompetenter Country-Kundendienst.

Kiefer Sutherland: Reckless & Me (BMG). Live: 28. Juli Lörrach, 4. Oktober Berlin.

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