Trier, Karl Marx und das Denkmal aus China: „Das soll ich sein?“, fragt Karl Marx

Trier, Karl Marx und das Denkmal aus China : „Das soll ich sein?“, fragt Karl Marx

Ein Trierer Stück spekuliert darüber, was Marx von seinem Denkmal aus China hielte.

Der junge Karl Marx findet das Denkmal, das die Stadt Trier ihm zu seinem 200. Geburtstag gesetzt hat, zunächst gar nicht gut. „Das soll ich sein? Bitte! Sie machen einen Scherz!“, sagt Schauspieler Tobias Schwieger in der Rolle des 17-jährigen Marx im Stück „Marx! Love! Revolution!“, das gestern in Trier uraufgeführt wurde. Und schimpft: „Du bist ein Denkmal geworden für gleich zwei Dinge, die du nicht wolltest: die kapitalistische Dekadenz und die unterwerfende Anbetung!“

Es ist ein besonderes Theaterstück, in dem Marx Junior den Streit um das 5,50 Meter hohe Denkmal höchstpersönlich aufarbeitet: ein „Mitgehstück“ des Autors Johannes Kram: Die Zuschauer begleiten den jungen Marx von der (noch verhüllten) Original-Statue und seinem Wohnhaus zu seiner Schule bis hin zu seinem Geburtshaus. Und die Statue ist immer dabei: An der Seite von Marx läuft der alte Marx mit Rauschebart in Gestalt eines Statisten mit.

„Dieses Stück sammelt alle die Argumente und die Meinungen, die es zu dem Denkmal geben kann, und es sagt, dass wichtiger als ein Denkmal das Wort und die Meinungsfreiheit sind“, sagt Kram. So meint der junge Marx zu seinem Alter Ego: „Ja klar, darf es dich geben. Jeder darf sich seinen eigenen Karl Marx machen. Und weißt du warum? Auch das gehört zur Meinungsfreiheit.“

Die Riesen-Statue wird am Samstag enthüllt. Chinas Geschenk wird nicht nur in Trier kontrovers diskutiert. „Der ganze Streit um das Denkmal konnte nur deswegen passieren, weil es vorher keines gab“, sagt der gebürtige Trierer Kram. Hätte Trier seinen größten Sohn angemessen gewürdigt, hätte man kein Geschenk aus China annehmen müssen.

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