Regionale Ausstellungen Assoziationsräume aus Farbnebeln & Linien

Saarbrücken · Die Ausstellung „Impulswechsel“ im Saarbrücker KuBa zeigt neue Arbeiten der Malerin Gisela Zimmermann.

 Gisela Zimmermanns technoid anmutendes Gemälde „RL 18“ (Tusche,Acryl, Spray, Lackstifte auf Leinwand, 100 x 120 cm)“.

Gisela Zimmermanns technoid anmutendes Gemälde „RL 18“ (Tusche,Acryl, Spray, Lackstifte auf Leinwand, 100 x 120 cm)“.

Foto: Gisela Zimmermann

Geheimnisvoll schwebt ein an den Buchstaben „F“ erinnerndes Geflecht aus Lineamenten vor dem schwarzen Hintergrund. Das in mehreren Schichten aufgetragene Schwarz lässt die Farben glühen. Die intensiv farbigen Linien scheinen dem Sog des Schwarz nur mühsam zu widerstehen. „Liberté_17_Tusche, Acryl, Spray, Lackstifte auf Leinwand“ nennt die Saarbrücker Malerin Gisela Zimmermann das ungerahmte Riesengemälde von 2017. Es ist eines der wenigen Werke mit einem Namen, der sich entschlüsseln lässt. „F“ wie Freiheit.

Meist tragen die Arbeiten kryptische Kürzel aus Buchstaben, die den Entstehungsort repräsentieren, gefolgt von Ziffern, die für Entstehungsmonat und -jahr stehen und den verwendeten Materialien. Zimmermann bevorzugt derzeit Tusche, Acryl- und Sprühfarben sowie Lackstifte. Als Untergründe verwendet sie neben der klassischen Leinwand auch Chromoluxpapier mit metallisch schimmernder Oberfläche. 2014 waren die Arbeiten der gebürtigen Merzigerin zuletzt in der Region in einer Einzelschau zu sehen. Die nun im Saarbrücker KuBa am Eurobahnhof gezeigten Arbeiten entstanden 2017 und 2018 und bezeugen die sanfte Weiterentwicklung von Zimmermann. Während in ihrer letzten großen Schaffensperiode gestische Abstraktionen entstanden, kommen nun geometrische Elemente hinzu. Zwischen diesen beiden Polen entstand eine „saugute Ausstellung“, wie Kurator Andreas Bayer in seiner Eröffnungsrede zurecht verkündete.

Beiden Werkkomplexen immanent ist der Umgang mit Farbe. Die scheint als Material immer stärker zur zentralen Bildaussage zu werden. Dabei ist das Spiel mit den Eigenschaften des Materials intensiver geworden, der Farbauftrag nachvollziehbarer. Die gestischen Abstraktionen der Künstlerin haben an magischer Kraft nichts eingebüßt. Die in dynamischen Prozessen entstandenen Arbeiten öffnen vielfältige Assoziationsräume. Manche erinnern an Landschaften, andere an architektonische Strukturen, wie etwa „SW_4_2_17_Tusche, Acryl, Spray auf Chromoluxpapier“. Die Farbe ist transluzent wie eine Lasur auf die Oberfläche aufgetragen, hat sie aber nicht flächig benetzt. Vertikale und senkrechte Strukturen erinnern sofort an ein Gebäude.

Die geometrischen Abstraktionen verengen zwar die Suggestivkraft, werden aber nie so gegenständlich oder narrativ, dass Langeweile aufkommt. Aus Farbnebeln heben sich in magischen Dunkelräumen orthogonale Liniengeflechte oder technoide Strukturen, die an Rohre oder urbane Räume erinnern und oft bedrohlich wirken. Während die Farbnebel vor allem mit Tusche und gesprühter Farbe entstehen, sind die gegenständlichen Bildelemente Ergebnis von Schablonentechnik und Abklebungen. Mal wieder ist das einzige Manko der Ausstellung im KuBa deren Platzmangel. Für eine Gegenüberstellung von aktuellen und älteren Werken Zimmermanns aber fehlt es dort schlichtweg an Raum.

Bis 10. März. Di, Mi und Fr: 10 bis 16 Uhr; Do und So: 14-18 Uhr.

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