Das Programm "SubsTanz 19" in Saarbrücken

Saarländisches Staatstheater : Verliebte Jungs und schwarzer Schnee

SubsTanz 19, mit Choreografien des Saarländischen Staatsballetts, hatte am Freitag Premiere. Zu sehen gab es in der Alten Feuerwache brillanten Tanz und Stücke, die mal anrührend waren, mal etwas unfertig wirkten.

Schon lange war ein SubsTanz-Programm nicht mehr so kurzweilig wie die 19. Ausgabe, die am Wochenende Premiere hatte. Von den sieben Tänzern, die diesmal für das saarländische Staatsballett Choreografien entwickelten, zeigen zwei diesmal dezidiert Humorvolles. Beides sind Amerikanerinnen – Zufall?

Passend zur Jahreszeit geht Alexandra Christin in einem „Holiday Special“ unter dem Titel „Cash and Carry“ mit ihren Landsleuten ins Gericht. Während Johnny Cash, er liefert dazu den Soundtrack, noch von Weihnachtsglocken singt, liegen vier Paare in stilgerechter Country-Kleidung bei Christin schon bierselig über Tisch und Sesseln, werden aber wieder munter. Beim folgenden Party-Tohuwabohu lässt Christin ihre Gesellen in herrlich skurrilen Tanzfiguren übereinander herfallen. Mit dabei: ein Gewehr, das sie tanzend anbeten, während ein Kirchenmann, der um Einlass bittet, wieder hinausgeworfen wird.

Hope Dougherty wiederum macht sich in ihrer showreif ausgestatteten Nummer „Girl meats Boy“ über verliebte Jungs lustig. Die beiden Girls sind wie Geschenke in Cellophan eingepackt, die vier Jungs in geringelten Anzügen lässt die Choreografin in mechanischen, tumben Figuren tanzen und zusammenkleben. Höhepunkt: wie eines der Girls sich in einem Liebestanz mit ihrem Kühlschrank vereinigt und die Jungs wie eine Hundemeute mit einer Pizza abspeist.

Den Gegenpol zu diesen heiteren Stücken nimmt Efthimis Tsimageorgis‘ „Inner Layers“ ein. Zarte Gemüter sollten lieber hinausgehen, warnt die Zuschauer eingangs eine Stimme, denn „schaurig, melancholisch und unheilvoll“ sei die folgende Geschichte. Atmosphärisch beginnt sie vielversprechend mit einer schwarzen Puppe, auf die schwarzer Schnee rieselt. Eine Art schwarze Spiderwoman erscheint mit Gasmaske, schlangenwesengleich biegsam treibt sie ihr Unwesen zwischen Tänzern und -innen, entführt eine von ihnen. Doch während man noch auf den großen Schrecken wartet, ist das Stück schon vorbei.

Auch Miguel Toros „Untitled Work“, in dem drei Tänzer als Verkörperung innerer Stimmen darüber diskutieren, wie man beim Schöpferisch sein am besten vorgeht –  nach Plan oder spontan –, und dann tanzen, hinterlässt einen Eindruck der Unfertigkeit.

Edoardo Cino setzt in „Into the light“ auf wechselnde Stimmung. Der Italiener mit dem Faible für das Thema Fernsteuerung, lässt diesmal eine Tänzerin mit einem interaktiven Smartphone am Arm für heulende Winde im Gewitter sorgen. Im ersten Teil darf seine Gruppe zu Ellington-Swing in weichem Modern Dance tanzen, ein Genuss. Dian Bioscas Stück „Concept“ für drei Tänzer besticht besonders durch die raffinierte sparsam konturierende Beleuchtung.

Alexander Andison gelingt mit „Or Tender“ das wohl anrührendste Tanzstück. Der Anfang, wenn eine Tänzerin und ein Tänzer, jeder für sich, rosa Bauklötze grüblerisch immer wieder anders stapeln, lässt das noch nicht erahnen. Was dann folgt, ist eine tänzerische Verständigung des Paares über ihre Beziehung, aber auch über ihre jeweilige Individualität, sehr zart, sehr zeitgenössisch, sehr nuanciert. Tänzerisch, das zeigt sich nicht nur hier, sondern in allen Stücken des Abends, verfügt das Staatstheater über eine brillante Truppe. Verdienter Applaus.

Weitere Termine: Morgen, 22. und 27. Dezember, Alte Feuerwache.
Karten unter Tel. (06 81) 309 24 86.

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