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Luxemburg
Der große Atem der Romantik

Luxemburg. Bannend: das Gewandhausorchester und Star-Pianistin Hélène Grimaud in Luxemburg. Von Oliver Schwambach
Oliver Schwambach

Jetzt kommt was für die nicht mehr ganz Taufrischen unter uns. Die aber vielleicht noch im Ohr haben, dass der WDR tatsächlich mal seine Landesschau mit der „Rheinischen“ von Schumann anklingen ließ. Mensch, waren das noch Zeiten, als Klassik auch im Durchschnittsguckerfernsehen möglich war! Was aber sagt uns das über Robert Schumanns Es-Dur-Sinfonie, die er 1850, just von Dresden nach Düsseldorf übergesiedelt, komponierte? Richtig, schon das Hauptthema geht so ins Ohr, dass man sofort mitsummen möchte.


Zugänglich, ja fast italienisch wollte Schumann es haben. Vielleicht auch ein Antidot gegen schlechte Erfahrungen, die er aus Sachsen mitbrachte, wo man ihn nicht wollte. Trotz aller Popularität aber, die „Rheinische“ ist kein Tongemälde, auch wenn man beim beflügelnd spielenden Leipziger Gewandhausorchester in der ausverkauften Luxemburger Philharmonie den Wellenschlag des Stromes zu hören glaubt. Goldene Bläsertöne, strahlende Streicher, ein unaufhaltsamer Spannungszug: Die Leipziger unter ihrem Chef Andris Nelsons verstehen es, Klänge kostbar werden zu lassen. Und wie feierlich der Lette den vierten Satz, diesen Choral, zelebriert, peu à peu aus feinstem Pianissimo formt: perfekt!

Ja, man versteht, warum Romantik zur Kernkompetenz der Leipziger gehört. Und ihnen Verpflichtung ist. Nicht umsonst steht Felix Mendelssohn-Bartholdy in der großen Reihe ihrer Kapellmeister. Mit seiner „Meeresstille“-Ouvertüre, erfrischend musiziert wie ein Turn im Frühlingswind, begannen die Leipziger ihre romantische Kreuzfahrt, deren Ankerpunkt Schumanns Klavierkonzert a-moll (op 54) war. Hélène Grimaud wirbelt energiegeladen durch die große Kadenz des Eingangssatzes, entfaltet die ganze Farbpalette des abschließenden Allegro und malt mit noblem Ton das Intermezzo. Gänsehautmomente. Im Eingangs-Allegro freilich kommen Einsätze auch mal irritierend verhalten. Doch sind das nur Augenblicke bis Grimaud und das Gewandhausorchester zu einem Atem finden.