Hörspielmesse: „Das Geschäft ist härter geworden“

Hörspielmesse : „Das Geschäft ist härter geworden“

Wie geht es der Hörspiel-Branche? Ein Rundgang über die Messe „Hörmich“ in Hannover — auch eine rührige Firma aus Riegelsberg ist dabei.

„Die drei Fragezeichen“, „TKKG“: Mit solchen Hörspielen sind viele Kinder und Jugendliche groß geworden. Viele der damaligen Fans sind auch heute als Erwachsene große Liebhaber von Hörspielen. Auf der Messe „Hörmich“ konnten sie sich am Wochenende in Hannover bei Verlagen, Produzenten, Autoren und Sprechern von Hörspielen über neueste Projekte und Trends informieren.

Der Film- und Hörspielverlag Pidaxfilm aus Riegelsberg etwa präsentierte seine historischen Hörspiele nach Vorlagen von, unter anderem, Francis Durbridge und Karl May, die CDs kosten zwischen zehn und 15 Euro. „Unsere Kunden sind etwas älter, und Krimis sind bei ihnen am meisten gefragt. Der Autor ist dabei weniger wichtig als der Sprecher. Die Namen von einst bekannten Fernseh-Kommissaren wie Siegfried Lowitz oder Hansjörg Felmy ziehen bis heute“, sagt Timo Schröder. Er ist „Creative Director“ beim fünf Mitarbeiter zählenden Verlag, der vor allem auf den Vertrieb von DVDs mit Filmen spezialisiert. Von den Sendern werden dafür Lizenzen erworben. „Der Verkauf verlagert sich zunehmend ins Internet, denn Anbieter wie Saturn bauen ihr Angebot an DVDs und CDs ab“, sagt Schröder. Im Internet werden die Hörspiele auch als Download angeboten. Gegenüber großen Verlagen sieht sich Schröder im Vorteil: „Andere Labels haben fünf- und sechsstellige Auflagen. Wir beginnen ab 1000 Stück und können so auch Dinge wagen, an die sich andere nicht trauen.“

Die meisten Aussteller in Hannover setzen eigene Stoffe um, vor allem Thriller, Horror- und Gruselgeschichten. Ein typischer Anbieter ist die RRR Audiovisuelle Medien aus dem niedersächsischen Wittingen. „Ich habe seit 2013 vier Hörspiele geschrieben und produziert. Für die Aufnahme wird ein professioneller Sprecher engagiert. Der Hörspielboom kurz nach der Jahrtausendwende ist leider vorbei, das Geschäft ist härter geworden“, sagt Lars Dreyer-Winkelmann, der das Ganze nebenberuflich betreibt. Auf die Produktion „Ein Job wie jeder andere“, in der die Arbeit einer Auftragsmörderin sehr plastisch geschildert wird, gab es unterschiedliche Reaktionen. „Einige haben uns vorgeworfen, die Darstellung sei zu brutal gewesen. Doch es gab auch Lob dafür, dass wir uns als kleines Label etwas getraut haben, woran sich größere nicht gewagt hätten.“

Das Hörspiel sei nur in Deutschland ein eigenes Medium, sagt Thomas Birker, Inhaber von Dreamland-Productions aus dem hessischen Nidderau. „Dabei gibt es sehr unterschiedliche Formen. Das Hörspiel im Radio, das eher getragen daherkommt, hat eine andere Anhängerschaft als die Szene, die hier in Hannover vertreten ist. Die Radiohörspielmacher würden uns vermutlich vorwerfen, dass wir zu effekthascherisch, zu schnell und zu laut sind.“ Birker blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Kinder hören auch noch heute „TKKG“. Es ist aber schwieriger geworden, sie zu erreichen, denn nur Hören oder nur Lesen wird angesichts der Flut der Bilder für sie immer langweiliger. Wir hatten mit unserer Kinderproduktion ‚Trotzkopf’ keinen Erfolg. Bei den Erwachsenen läuft es aber gut, auch wenn ich immer mal höre: Hörbücher — ist das nicht etwas für Kinder?`“ Andy Suess von DreamTeamer Hörspieler aus Berlin sieht auf dem nicht immer einfachen Markt einen anderen Trend: „Wir machen Live-Hörspiele für die Bühne mit schauspielerischen Elementen, das Interesse beim Publikum ist groß.“

Knapp zehn Milliarden Euro hat der Buchhandel in Deutschland 2016 umgesetzt. Davon entfallen nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 3,3 Prozent auf Hörbücher. Parallel zu Buchneuerscheinungen kommt oft auch eine CD auf den Markt — da kann man sich dann von prominenten Schauspielern wie Ulrich Noethen oder Iris Berben einen Roman spannend oder witzig vorlesen lassen und spart sich die eigene Lektüre. Auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste finden sich unter den ersten vier Hörbuchtiteln drei CDs mit Aufnahmen von Marc-Uwe Kling, dem Autor der „Känguru-Chroniken“.

Mehr von Saarbrücker Zeitung