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Das erste Kirchenfenster von Gerhard Richter für die Abtei in Tholey

Kostenpflichtiger Inhalt: Gerhard Richters Kunst für die Abtei in Tholey : Der Richter und sein Fenster

Das erste der drei Kirchenfenster, die der Künstler Gerhard Richter für die Abtei in Tholey gestaltet, ist fertig – am Freitag konnte man es sich in München anschauen.

 Die Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei „Gustav van Treeck“ liegen im Münchner Viertel Maxvorstadt, dem kulturellen Zentrum der Stadt, nur ein paar hundert Meter entfernt von der Alten und Neuen Pinakothek. Im Hinterhof eines Altbaus kann kaum jemand ahnen, was hier entsteht – und was nach monatelanger aufwändiger Arbeit am Freitag der Öffentlichkeit präsentiert wurde: das erste fertige, lang ersehnte Richter-Fenster für die Tholeyer Abtei.

Es ist ein eindrucksvolles Bild: Der Blick auf das 1,95 auf 9,3 Meter große Südfenster wandert nach oben, nach unten, bleibt mal hier, mal dort haften. Überall sind Figuren und Fratzen in den leuchtenden abstrakten Malereien zu erkennen, die mit dem Betrachter in einen Dialog treten.

Das von Gerhard Richter entworfene Südfenster. Foto: dpa/Sven Hoppe

Auch für Abt Mauritius Choriol und Frater Wendelinus, die am Morgen aus Tholey angereist sind, ist es das erste Mal, dass sie das fertige Richter-Fenster sehen. „Ein überwältigendes Gefühl“, wieder einmal sei man überwältigt und voller Dankbarkeit. „Wenn die Farben in diesem neutralen Raum schon so miteinander zu tanzen vermögen, dann kann ich kaum erwarten, wie sie erst wirken werden, wenn unsere Sonne auf sie fällt. Wir sind schon voller Ungeduld“, sagt Frater Wendelinus.

Bis die Fenster bei ihnen ankommen, wird es aber noch dauern, erklärt Katja Zukic, eine der beiden Geschäftsführerinnen der Werkstätte. „Das hängt jetzt ein wenig vom Zeitplan ab. Bis Juni werden sie sicherlich in Tholey sein.“

Mahbuba Maqsoodi am Freitag in den Gustav-van-Treeck-Werkstätten. 34 Fenster von ihr werden ins Seitenschiff der Abtei kommen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Bayerische Hofglasmalerei „Gustav van Treeck“ wurde im 19. Jahrhundert gegründet und zählt zu den bedeutendsten ihrer Art. Man habe schon viele anspruchsvolle Arbeiten hinter sich, erklärt Zukic, die den Betrieb mit Raphaela Knein leitet – einen Entwurf von Gerhard Richter (88) aber habe man noch nie verwandeln dürfen. „Eine besondere Ehre“ – und gleichzeitig ein „Wahnsinnsprojekt“: „Mit seinen verspielten, detailreichen und farbgewaltigen Entwürfen stellte uns Richter vor große gestalterische und technische Herausforderungen. Wir mussten die Bilder optimal in Glas übersetzen“, resümiert Zukic.

Mehrmals haben sich Zukic und Knein in dessen Kölner Atelier mit Richter getroffen und alle Möglichkeiten miteinander besprochen. Letztlich habe man sich für eine computergestützte Herangehensweise entschieden, erklärt Zukic: „Die digitale Vorarbeit gibt exakt das Gerüst der Symmetrie und Strukturmalerei vor.“ Den Malern habe dies den nötigen Spielraum gelassen, die Bilder „mutig und kraftvoll“ ausmalen zu können. „Vorlage und künstlerischer Gedanke von Gerhard Richter lassen sich auf diese Weise individuell mit den Eigenschaften des Glases harmonisieren.“

Die Benediktinerabtei St. Mauritius Tholey: Richters Fenster kommen in die Mitte, die von Maqsoodi an die Seiten. Foto: Oliver Dietze

Richter selbst ist mit den Arbeiten offenbar mehr als zufrieden. Per E-Mail soll er den Geschäftsführerinnen mitgeteilt haben, wie überrascht er sei über die „meisterhafte“ Umsetzung seines Entwurfes in die riesigen Maße des Fensters. Mit Blick auf Abt Mauritius Choriol und Frater Wendelinus zitiert Zukic Richter weiter: „Ich hoffe nun, dass ich es doch noch schaffe, das in Tholey zu sehen.“ Die Türen und Toren Tholeys seien jederzeit für Richter geöffnet, erklärte Frater Wendelinus noch ein wenig ungläubig. „Es wäre uns eine Ehre.“