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Das beschwerliche Finden des „Bruttosozialglücks“ in Bhutan

Das beschwerliche Finden des „Bruttosozialglücks“ in Bhutan

Um das "Bruttosozialglück", das König Jigme Wangchuck vor Jahren als Staatsziel ausrief, muss man sich im buddhistischen Königreich Bhutan allmählich sorgen. Es besagte, dass ökonomisches Wachstum dort mit der Bewahrung von Tradition und Kultur einhergehen müsse.

Dass dies mit dem Bhutan von heute nicht immer viel zu tun hat, lehrt Irja von Bernstorffs Doku "The farmer and I" (Di: 20.30 Uhr: CS 1; Mi: 22 Uhr, CS 2; Do: 13 Uhr, CS 5; Sa: 12.45 Uhr, CS 9) - einer der bemerkenswertesten Filme im Dokufilm-Wettbewerb.

Er zeichnet eine Art "Clash of civilizations" bei den Dreharbeiten zu einer 25-teiligen TV-Serie für den einzigen bhutanischen Fernsehsender nach, die die junge deutsche Regisseurin mit dem Bauernaktivisten Sangay vor Ort entwickelt und realisiert hat. Mit ihrer Serie wollen sie die Landflucht der Bauern aufhalten und für eine nachhaltige Landwirtschaft in dem Himalayastaat werben - aus ihrer Sicht die einzige Chance, Bhutans weitere Verwestlichung zu verhindern. Bald aber wird das Regieduo von demselben Kulturkonflikt eingeholt, der das sich als letzte Bastion gegen heutige Fortschrittsideologien vermarktende Bhutan zu zerreißen droht. Was anfänglich stört - von Bernstorffs filmische Selbstbespiegelungen - , erweist sich nach und nach als notwendiger roter Faden: Gelingt ihrer (betont engagierten) Doku doch die Beweisführung, dass kulturelle Differenzen gemeinsame Ziele nicht torpedieren müssen.