Daniela Krien gelingt mit "Liebe im Ernstfall" ein guter Beziehungsroman

Neue Bücher : Liebe ist ja keine lasche Angelegenheit

Daniela Krien erzählt in „Liebe im Ernstfall“ von Frau-Mann-Beziehungen heute: Am Dienstag stellt sie den Roman in Blieskastel vor.

Beziehungsratgeber zum Thema Liebe lasten auf ganzen Regalreihen in Buchhandlungen. Romane dazu gibt es massenhaft. Nun hat eine ostdeutsche Autorin dazu auch einen Roman geschrieben, der von der Verlorenheit von Frauen und Männern in Beziehungen berichtet. Warum das?

Weil Daniela Krien (43) selbst in einer Beziehung war, aus der zwei Kinder hervorgingen, die aber nicht hielt. Weil sie – eher gegen den Zeitgeist – die Ansicht vertritt, Liebe dürfe keine lasche Angelegenheit sein. „Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.“ Die Autorin schlachtet keineswegs ihr Leben aus, nutzt aber ihre und die Erfahrungen ihrer Freundinnen. Leser erfahren viel über unsere Gegenwart.

Das ist kein Buch nur für Frauen. Sondern eine poetische und gewissenhaft durchdachte Erzählung darüber, wie Sehnsucht entsteht und vergeht.

Die Mecklenburgerin, die seit 20 Jahren in Leipzig lebt, wo sie studierte, begann dort zu schreiben. Mit ihrem Debüt „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (2011) gelang ihr ein Bestseller, obwohl das Manuskript von zehn Verlagen abgelehnt wurde. Es war die Geschichte einer Siebzehnjährigen, die sich in einen über zwanzig Jahre älteren Bauern verliebte. Es folgte der Erzählungsband „Muldental“ (2014), zehn Geschichten aus der Zeit der Wende. Nun „Die Liebe im Ernstfall“, es geht darin um Beständigkeit in der Partnerschaft. Es ist viel Menschenkenntnis und Lebensklugheit darin.

Fünf Frauen in ihren Vierzigern versuchen ein Leben zu führen, dass dem Ideal entspricht: Zweisamkeit, Familie, Zusammenhalt, Treue. Ihre Wege sind jedoch von Liebesenttäuschungen gezeichnet. Das wird keinesfalls rührselig geschildert; Krien sind Sprache, Rhythmus und Form höchster Anspruch. Ihre Erzählweise ist nicht innovativ, wohl aber unverstellt und kompromisslos. Kurze Sätze. Knappe Personenbeschreibungen. Klare Aussagen. „Liebe ist kein Gefühl“, heißt es. „Liebe ist keine Romantik. Liebe ist eine Tat.“

Die fünf Frauen haben einiges zu schultern. Paula als Buchhändlerin, Judith als Ärztin, Brida als Schriftstellerin, Malinka als Musiklehrerin und Jorinde als Schauspielerin. Sie sind über Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen miteinander verbunden, gehen Beziehungen ein, in denen es nicht nur um Sex geht. Sie heiraten, Kinder kommen, es gibt Affären. Was jede/r so oder so kennt, wird noch mal beschrieben – aber so, dass man es lesen will. Weil die Sätze so herrlich lapidar sind, nie aufgedunsen, aber auch nicht einfach so hingesetzt. Die Autorin hat gründlich gearbeitet. Mancher Satz sitzt allerdings wie ein Schlag. Einer von vielen Erkenntnissätzen: „Nichts ist unerotischer als ein Mann, der keine Forderungen stellt.“ Das wird nicht erklärt, es wird erzählt.

Genauso wie die Geschichte von der Schriftstellerin Brida und Götz, dem Tischler. Sie reisen zusammen im Osten herum. Die norddeutsche Brida achtet auf die Physiognomie der Menschen, die ihnen begegnen. „Der Westen wusch den Gesichtern die Spuren aus, der Osten malte sie hinein.“ Brida ist als Autorin so produktiv wie nie zuvor. Götz bewunderte „ihr Talent, aus dem Nichts eine Geschichte zu erschaffen“.

Aber da ist noch die jüngere Svenja. „Ihre Weiblichkeit ist simpel, fast vulgär. Sie himmelt Götz an.“ Kinder kommen, Sorgen wegen Geldknappheit. Trennung, zweiter Versuch. Brida versteht Götz nicht, seine „Bedürfnislosigkeit“. Sie lernt M. kennen. Bald braucht sie ihn nicht mehr. Sie trennt sich von beiden Männern. Am Ende geht Götz mit Svenja. Brida bleibt in der leeren Wohnung zurück.

Daniela Krien ist streng mit ihren Figuren. Liebe sollte ein Ernstfall sein, weil sie im Leben stattfindet. Und das Leben ist der wahre Ernstfall. Uneitel, abwechslungsreich und scharfsinnig wird das in diesem kleinen Roman geschildert.

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall. Diogenes, 288 S., 22 €.
Lesung am 7. Mai (19 Uhr) auf Einladung der Gollenstein Buchhandlung in der Blieskasteler Orangerie. Karten: 10 € unter Telefon (06842) 53 95 35 oder per mail: info@gollenstein-buchhandlung.de

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