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Créajeune-Filme laufen in Saarbrücken.

Videowettbewerb „Créajeune“ : Von Nerven- und Freundschafts-Zusammenbrüchen

Filme des Wettbewerbs Créajeune 2017 sind heute in Saarbrücken zu sehen – die Anmeldefrist für die nächste Ausgabe läuft noch bis Mitte September.

Eine gute Idee – im Rahmen von Créajeune, dem Videowettbewerb der Großregion, laufen in Saarbrücken diesmal auch Filme der Sparte „Junge Erwachsene“. Die waren in den Jahren zuvor stets in den anderen Wettbewerbsstädten zu sehen, in Saarbrücken liefen die Filme von Kindern – wodurch mancher Kinogänger den Eindruck gewinnen konnte, Créajeune (ausgerichtet vom Saarland, von Rheinland-Pfalz, Lothringen, Luxemburg und der Wallonie) sei ein Kinderfestival.

Heute zeigt das Saarländische  Filmbüro im Kino Achteinhalb in Saarbrücken Wettbewerbsfilme aus der jüngsten, zehnten Festivalausgabe aus dem vergangenen Jahr. Elf Filme plus drei Videoclips sind zu sehen, mit großer thematischer und qualitativer Bandbreite. Manchen Beiträgen sieht man an, dass Créajeune eben ausdrücklich kein Profi-Wettbewerb ist und Nachwuchsfilmer einiges Herzblut haben fließen lassen;  andere Filme wären etwa bei einem Festival wie Ophüls nicht fehl am Platze. Etwa der siebenminütige belgische Animationsfilm „Juliette“ von Lora D’Addazio über ein schüchternes Mädchen in einem Auto, im Gespräch mit zwei wesentlich weniger schüchternen jungen Frauen – sehr explizit wird es da, bis ein Unfall geschieht. Wie der Film hier erotische Sprache und Bilder mit einer Todes-Imagination zusammenbringt, ist so eigenwillig wie gelungen  – Blut und Eros in Bildern voll kindlicher Ästhetik, das ist auf interessante Weise verstörend.

Auch aus Belgien kommt „Mazeppa“ von Jonathan Lago Lago (17 Minuten): Ein Pianist durchlebt die letzten Minuten vor einem wichtigen Vorspiel, angetrieben von einem ehrgeizigen Vater, gequält von Lampenfieber und tief beeindruckt von der Begegnung mit einer scheinbaren Leidensgenossin. Dialog- und Situationskomik, dazu ein paar flotte Wendungen – ein Vergnügen.

Mit 30 Minuten der längste Film der Auswahl ist die Luxemburger Produktion „Orientierungslos“ von Lara Back über die nicht ganz reibungsfreie Freundschaft zweier junger Frauen. Die Spannungen durch ungleiche Charaktere und unterschiedliche Erwartungen an diese Freundschaft entladen sich bei einem gemeinsamen Urlaub im Grünen. Das hätte vielleicht etwas straffer erzählt werden können, ist aber berührend ins Szene gesetzt und von Eugénie Anselin und Carlotta Callsen sehr gut gespielt.

Aus dem Saarland sind vier Filme zu sehen, deren Machart im direkten Vergleich ungeschliffener wirkt: Julian Schneiders „Teure Freundschaft“ ist ein Vier-Minuten- und Zwei-Personen-Sketch über eine fatale Autoreparatur, während „Und Du so“ (6 Min.) eines Regiekollektivs von Diskrimierung erzählt, formal originell in Stummfilm-Ästhetik. Roman Redzimski schildert in „Women@Work“ (12 Min.) sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, während „W.U.B. – Was uns bewegt. Das Satiremagazin“ sich mit Humor unter anderem das Thema des alltäglichen Rassismus vornimmt.                                                                     

Heute um 8.30 und 10.15 Uhr laufen  ausgewählte Filme des Wettbewerbs von Kindern im Achteinhalb (Eintritt frei); um 19 Uhr beginnt der Filmabend mit dem Wettbewerb der jungen Erwachsenen.
Für Créajeune 11 kann man sich bis zum 15. September bewerben.
Kontakt/Infos: www.creajeune.eu