Chinas Piano-Paganini

Der junge Pianist A Bu bescherte den Musikfestspielen Saar eine Jazz-Sternstunde.

Es klingt alles so leicht. Er lässt alles so leicht klingen. Und es fängt ja auch so harmlos an. Mit einem dieser Septakkorde etwa, die man oft so schon hörte. Die wohl jeder Piano-Man dieser Welt parat hat, um daraus melancholischen Bargästen für den Heimweg noch ein Nocturne zu spinnen. Doch aus dem Vertrauten schöpft A Bu, dieses unverschämt junge Jazz-Wunder, das man jetzt bei den Musikfestspielen Saar erleben durfte, Neues und irritierend Aufregendes: Akkordgewitter, irrwitzige Läufe, manchmal schon kapriziöse Rhythmus- und Temporückungen, vibrierende Notennetzwerke. Alles beständig im Improvisationsfluss, aber alles so zwingend wie eine Bach-Fuge.

Ob sich A Bu nun vor seinem Leitstern, dem russischen Pianisten und Komponisten Nikolai Kapustin, verneigt oder in seinen eigenen Titeln: Bei dem nicht mal Volljährigen, der nach seinem Studium in Peking nun an der New Yorker Juillard-School studiert, wird alles zum Meisterwerk. Ein allerdings recht schüchterner Piano-Paganini sitzt da am Flügel, der aber schon über die emotionale Tiefe eines Jazzpoeten verfügt. Ungemein sinnlich im Ton. Und manchmal auch so abgeklärt, dass man an alles denkt, aber keinen Teenager.

Ja, A Bu sieht aus wie einer, der sich das übernächste iPhone zusammendenken könnte. Vielleicht ein bisschen zu schick für einen Nerd. Doch so fingerflink er über die Tasten fegt, so zögerlich spricht er. Als Pianist ist er längst ein Gigant, als Conférencier noch Grundschüler. Doch was er zu sagen hat, sagt ja sowieso sein Klavier. Und wie in Jobims genialer One-Note-Samba kann auch A Bu aus einem nervösen Ein-Ton-Puls genialische Funken schlagen.

Die Musikfestspiele Saar und der Jazz: Das war in all den Festival-Jahren stets nur eine sparsame Leidenschaft. Die China-Ausgabe dieses Jahr aber, so reduziert sie auch sein mag, macht wieder richtig Entdeckerlust. Alleine A Bus großartiger Auftritt im Saarbrücker Max-Planck-Institut unterstreicht die Daseins-Notwendigkeit des Festivals.

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