Nachrufe Am Blues der Zeit: Tony Joe White tot

Nashville · (cis) Es gab wohl keinen besseren Nuschler im weißen Blues als Tony Joe White – sein lässiger, knorziger Sprechgesang war das Markenzeichen des nun im Alter von 75 Jahren in seinem Haus in Leipers Folk am Rand von Nashville (Tennessee) einem Herzinfarkt erlegenen Gitarristen.

Dass er sich je dem Musikmarkt angedient hätte, war das Letzte, was man Tony Joe White vorwerfen konnte. Über 50 Jahre hinweg blieb er seinem Stil treu: erdige Slow-Songs ohne viel Brimborium und irgendwo zwischen Blues, Rock, Boogie und Cajun angesiedelt.

1943 als siebtes Kind von Baumwollfarmern geboren, gelangen ihm 1967 mit „Rainy night in Georgia“ und „Polk salad Annie“ (später von Ray Charles bzw. Elvis, dem White damals aufs Haar glich, erfolgreich gecovert) gleich zwei Hits – es blieben auch seine größten. Je reduzierter seine Stücke waren, die White mit seiner Fender Stratocaster und Harp unverwechselbar grundierte, umso gekonnter waren sie – etwa Balladen wie „For ol’ times sake“, „Did somebody make a fool of you“, „I believe i’ve lost my way“ oder „(You’re gonna look) Good in Blues“. Seine Texte spielten uns keine heile Welt vor; sie erzählten vom ewigen Kreislauf aus Scheitern und wieder Aufstehen oder fingen mit einer Portion Trost und Wärme das Schwarze unter den Fingernägeln des amerikanischen Südstaatenalltags ein.

Vor allem in späteren Jahren driftete White, der über Jahrzehnte hinweg eine kleine, aber treue Fangemeinde behielt, bisweilen gefährlich ins Seichte und Platte ab. Dass er sich wieder fangen konnte, bewies er etwa 2013 mit dem Album „Hoodoo“, das mit „The flood“ und „Gypsy epilogue“ mindestens zwei fabulöse Blues-Juwelen enthielt. 24 Alben hat er in 51 Jahren eingespielt – erst  vergangenen Monat kam seine letzte Platte „Bad mouthin“ heraus. „Realness“ (Echtheit) sei das, was ihm im Leben und seiner Musik am Wichtigsten gewesen sei, wird Tony Joe White auf seiner Homepage zitiert. Oder wie ein Song von ihm sagt: „The guitar don’t lie“.

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