Ausstellung in der Bundeskunsthalle: Bilder als Bühnen: Perus Nasca-Kultur

Ausstellung in der Bundeskunsthalle : Bilder als Bühnen: Perus Nasca-Kultur

Die Bundeskunsthalle Bonn lüftet in einer faszinierenden Ausstellung das Geheimnis der Nasca-Geoglyphen.

Seit dem 16. Jahrhundert berichteten Reisende von seltsamen Linien in der Wüste von Peru. Die längste erstreckt sich über zehn Kilometer. Andere zeichnen stilisierte Tierfiguren oder anthropomorphe Wesen in das Schottergestein der Hochebenen. Wissenschaftler wie der Deutsche Max Uhle, der sich erstmals systematisch mit der Nasca-Kultur beschäftigte und auch ihr Namensgeber ist, hatten diverse Erklärungsversuche für die Bodenlinien (Geoglyphen). Von Bewässerungssystemen war die Rede. Von einem astrologischen Kalender. Oder sollten die seltsamen Zeichnungen in der südlichen Küstenregion Perus im Kontext des Ahnenkults gedeutet werden? Der Schweizer Ufologe Erich von Däniken sah in ihnen gar „Landebahnen für Außerirdische“.

Bis heute ist das Geheimnis der Nasca-Linien nicht geklärt und beschäftigt die Phantasie der Menschen. Eine große Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn mit dem Titel „Nasca – Im Zeichen der Götter“ bringt jetzt Licht ins Dunkel. Mit 200 Exponaten lädt die vom Museo de Arte de Lima und dem Museum Rietberg in Zürich erarbeitete Schau, die in Bonn von Susanne Annen kuratiert wurde, zu einer Reise in den Süden des Andenstaates und gibt einen exzellenten Einblick in die Nasca-Kultur (200 v. Chr. bis 650 n. Chr.), die vor allem für ihre hochartifizielle Keramik und ihre feinen Stoffe berühmt ist. Ende des 19. Jahrhunderts erreichten erste Sammlungen Europa, wo in Berlin am Ethnologischen Museum auch Max Uhle sie sah und von ihnen so begeistert war, dass er zu Feldforschungen nach Südamerika aufbrach, wo er 41 Jahre blieb.

Polychrome Keramikgefäße wie der Bügelhenkel in Form eines Orcas oder das Figurengefäß eines mythischen Ahnenwesens, die in ihrem vollendeten Abstraktionsgrad geradezu modern anmuten, bilden in Bonn den Hauptanteil der gezeigten Objekte. Die Krüge dienten als Grabbeigaben und wahrscheinlich für Wasser- und Fruchtbarkeitsrituale auf den Bodenlinien in der peruanischen Küstenwüste, die als eine der trockensten Regionen der Erde gilt. Grund zu dieser Annahme ist, dass unzählige Scherben dieser Gefäße auf den Linien gefunden wurden. Die Schau, die das bisher vollständigste Panorama der prähispanischen Nasca-Kultur liefert, wartet mit neuesten Forschungsergebnissen auf. Haben die Archäologen Markus Reindel und Johny Isla Cuadrado, die seit 1998 das deutsch-peruanische Forschungsprojekt Nasca-Palpa leiten, auf den Hochebenen doch aufschlussreiche Entdeckungen gemacht, die des Rätsels Lösung näherbringen.

Sie entdeckten am Rand der trapezförmigen Geoglyphen Erdhaufen, die sie anhand der am Fuß gefundenen Opfergaben wie Feldfrüchten, Spondylus Muscheln und Keramikgefäßen als Altäre identifizierten. Auf manchen ragte eine Art Holzstange in die Luft, wie die Funde ergaben. Dienten diese als Fahnenmasten zur Orientierung im Gelände? Oder um sogenannte „Opferköpfe“ enthaupteter Gegner daran aufzuhängen? Darstellungen auf einigen Keramiken lassen darauf schließen. Wahrscheinlich wurden die riesigen Bodenbilder in der Wüste von den Ureinwohnern abgeschritten, worauf auch die verdichteten Erdschichten hindeuten würden. Dienten die Geoglyphen auf den Hochebenen als Bühne für rituelle Zeremonien? Vieles spricht dafür. Zumal in der Zeit der Nasca-Kultur das Klima immer trockener wurde, so dass die Flussoasen trotz des ausgeklügelten Bewässerungssystems eintrockneten. Bezogen die Menschen damals – 500 Jahre vor der Herrschaft der Inkas und 1000 vor der Ankunft der Spanier – die Wüste in ihre Rituale ein und beteten auf den riesigen Bodenbildern der Hochebenen für Regen? Am Ende gar stimuliert durch Drogen und Musik? Hat doch kaum eine andere präkolumbianische Kultur so viele Musikinstrumente hinterlassen.

Gleich am Eingang bekommt man in Bonn durch zwei physische Geländemodelle der Nasca- und Palpa-Region, hinter denen Filmaufnahmen mit Flugbildern zu sehen sind, einen exzellenten Eindruck der peruanischen Wüstenlandschaft. Es lohnt sich, die Bilder wirken zu lassen. Was müssen die Wissenschaftler gefühlt haben, als in den 1930er Jahren erstmals Luftbilder die unglaubliche Größe dieser sich an den Berghängen und Hochebenen über 500 Quadratkilometer erstreckenden Bodenbilder vermittelten? Oder als sie die ersten Gräber öffneten? Drei der von Tello entdeckten „Mumienbündel“ werden in der Schau dokumentiert. In einem großen Keramikkrug in kauernder Haltung mit bunten Stoffen verschnürt und mit einer Tonschale abgedeckt, wurden die Toten damals in Schächten beerdigt. Nicht jedes Rätsel kann die Ausstellung aufklären. Für kommende Generationen von Archäologen bleibt noch genug zu tun.

Bis 16.9.; Di/Mi: 10-21, Do-So: 10-19 Uhr.

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