Berliner Bären-Bande

Über 400 Filme, 23 davon im Wettbewerb, laufen bei der 66. Berlinale, die morgen beginnt. Die Goldenen und die Silbernen Bären werden am 20. Februar verliehen. In einer Nebenreihe läuft das Spielfilmdebüt einer Regisseurin aus Saarbrücken.

Eröffnet wird das Festival morgen Abend im Berlinale-Palast mit "Hail, Caesar!" von Joel und Ethan Coen ("No country for old men"). Die Komödie mit Josh Brolin, George Clooney und Scarlett Johansson schaut hinter die Kulissen eines Hollywood-Studios in den 50ern. Der Film läuft außer Konkurrenz, ebenso wie Spike Lees "Chi-Raq" über Waffengewalt in den USA mit Wesley Snipes und Jennifer Hudson.

Aus Deutschland ist diesmal nur ein Film im Bären-Rennen: "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel. In dem Abschlussfilm der Studentin der Filmakademie Baden-Württemberg erfährt ein Paar, dass ihr ungeborenes Kind das Down-Syndrom und einen Herzfehler hat und denkt über eine Abtreibung nach. Produktionen mit immerhin deutscher Beteiligung sind die Hans-Fallada-Verfilmung "Alone in Berlin" des Schweizers Vincent Perez mit Daniel Brühl und Emma Thompson, "L'avenir" mit Isabelle Huppert sowie "Soy Nero" des iranischen Regisseurs Rafi Pitts.

Was bieten die anderen Reihen? In der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" feiert der Film "Liebmann" der Regisseurin Jules Herrmann Premiere. Herrmann, 1970 in Saarbrücken geboren, wo sie in den 90ern studierte, erzählt in "Liebmann" von einem Lehrer, der Deutschland verlässt und in Nordfrankreich eine neue Heimat sucht - in der alten hat er eine dunkle Vergangenheit hinter sich gelassen. Die Regisseurin nennt ihr Spielfilmdebüt ein "fröhliches Drama".

In der Sektion Panorama laufen Doris Dörries Drama "Grüße aus Fukushima" und Asli Özges "Auf einmal" mit Julia Jentsch. In Rachid Boucharebs "La route d'Istanbul" versucht eine belgische Mutter, ihre in den Dschihad gezogene Tochter in Syrien zu finden. In der Sektion "Special" ist Michael Moores Dokumentation "Where to invade next" zu sehen. Im "Forum" bilden Filme aus dem arabischen Raum einen Schwerpunkt.

Den Vorsitz der Internationalen Jury hat Meryl Streep, ihr zur Seite stehen unter anderem die Schauspieler Lars Eidinger und Clive Owen, der Filmkritiker Nick James und die Fotografin Brigitte Lacombe.

Der Goldene Ehrenbär geht in diesem Jahr an den deutschen Kameramann Michael Ballhaus, der unter anderen mit Rainer Werner Fassbinder und Martin Scorsese ("Goodfellas") drehte. Autogrammjäger können sich am roten Teppich auf Stars wie Meryl Streep, George Clooney, Tilda Swinton, Isabelle Huppert, Gérard Depardieu und Jude Law freuen.

Dass im diesjährigen Wettbewerb nur ein deutscher Beitrag an den Start geht, ist für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kein Armutszeugnis, denn immerhin sei der "deutsche Film in allen Sektionen vertreten". Sie räumte jedoch ein, dass nach dem Siegeszug des letztjährigen Bärengewinners "Victoria" eine stärkere deutsche Präsenz wünschenswert gewesen wäre. Um neue Akzente im deutschen Film zu setzen, will die Staatsministerin wie angekündigt die kulturelle Filmförderung stärken. Dafür stehe mit insgesamt 28 Millionen Euro so viel Geld zur Verfügung wie noch nie; damit sollen, sagt sie, "vor allem mutigere und künstlerisch ambitioniertere Vorhaben" gefördert werden.