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Autorin Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels : „Eine weithin hörbare Stimme Afrikas“

Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei uns ist bisher nur eines ihrer Bücher erschienen.

Als erste schwarze Frau erhält Tsitsi Dangarembga aus Simbawbe den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die Autorin und Filmemacherin sei „nicht nur eine der wichtigsten Künstlerinnen ihres Landes, sondern auch eine weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur“, teilte der Stiftungsrat in Frankfurt mit. Hierzulande muss diese Stimme erst noch entdeckt werden – bisher ist nur ein Buch übersetzt. Dabei hat die 62-Jährige auch privat enge Beziehungen zu Deutschland.

In ihrer Romantrilogie beschreibt Tsitsi Dangarembga am Beispiel einer heranwachsenden Frau den Kampf um das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. In ihren Filmen thematisiert sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen. Begleitet wird ihr künstlerisches Schaffen vom Engagement, die Kultur in ihrem Land zu fördern – und sie besonders für Frauen zu öffnen. Gleichzeitig kämpft sie für Freiheitsrechte und gegen Korruption. Als sie 2020 zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demo aufrief, wurde sie für kurze Zeit inhaftiert und auf Bewährung wieder freigelassen.

„Als jemand, der seit Jahrzehnten über mein Land schreibt, bin ich wirklich froh, dass dieser Preis die Themen meines Schreibens ins Rampenlicht rückt“, sagte die designierte Friedenspreisträgerin. Der Preis richtet sich nach außen, „in andere Ecken der Welt“, und zeige damit, „dass wir ein Teil der globalen Gesellschaft sind, die wir jetzt haben“.

Tsitsi Dangarembga wurde am 14. Februar 1959 in Mutoko im damaligen Rhodesien, dem heutigen Simbabwe geboren. Sie studierte in ihrer Heimat Psychologie und schrieb erste Theaterstücke. 1988 erschien ihr Debüt-Roman „Nervous Conditions“ als erster Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie. 2006 wurde „The Book of Not“ veröffentlicht, 2018 folgte „This Mournable Body“.

„Dies ist der Roman auf den wir gewartet haben“, urteilte Nobelpreisträgerin Doris Lessing bei Erscheinen von „Nervous Conditions“ – „dieses Buch wird ein Klassiker“. Der britische Fernsehsender BBC setzte den Titel auf die Liste der 100 Bücher, die die Welt verändert haben. In Deutschland erschien der erste Band erst 2019 unter dem Titel „Aufbrechen“, übersetzt von Ilija Trojanow, bei dem kleinen Berliner Verlag Orlanda. Der dritte Band folgt unter dem deutschen Titel „Überleben“ im September. Das mittlere Buch, bei dem rechtliche Fragen ungeklärt waren, soll bald möglichst folgen.

In den 1990er Jahren wandte sich Dangarembga verstärkt dem Film zu. In Berlin studierte sie von 1989 bis 1996 Filmregie. 1992 gründete sie in Harare eine Produktionsfirma. Mit einem „African Women Film­makers Hub“ unterstützt sie afrikanische Filmemacherinnen.  2000 kehrte sie mit ihrem deutschen Ehemann Olaf Koschke nach Afrika zurück. Das Paar hat drei erwachsene Kinder.

„Meine Beziehung zu Deutschland begann als junges Mädchen“, sagt sie. Dangarembga wuchs in dem früheren Rhodesien auf, in dem die weiße Regierung unter Ian Smith systematisch die schwarze Bevölkerung unterdrückte. Mit zehn Jahren las sie „Das Tagebuch der Anne Frank“, in der sie sich „natürlich in einem weniger starken Ausmaß“ wiederkannte. „Ich habe mir selbst Deutsch beigebracht und interessiere mich seitdem für das Land.“

Aktuell arbeitet sie wieder mehr an literarischen Projekten. „Eines ist ein spekulatives Fiktionsprojekt für junge Erwachsene, das in der Zukunft auf einem Afrika ähnlichen Kontinent spielt. Ein weiteres Projekt ist eine dystopische Fiktion für Erwachsene, die im zeitgenössischen Simbabwe spielt.“ Das Engagement geht unterdessen weiter. „Die politische Situation in Simbabwe ist durch einen stetigen Niedergang geprägt“, sagt sie. „Momentan sehe ich das nicht als hoffnungsvolle Situation.“

Der Friedenspreis, dotiert mit  25 000 Euro, ehrt Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Überreicht wird die Auszeichnung traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche – in diesem Jahr ist das der 24. Oktober.