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Ausstellung „Future Foods“ im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden

Ausstellung „Future Foods“ : Über den Tellerrand schauen

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeigt in der Ausstellung „Future Foods“ in realen Raumsituationen den Weg pflanzlicher und tierischer Lebensmittel von Feld und Stall bis auf den Teller.

Es ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart und fängt bei jedem selbst an: das nachhaltige Essen. Oft führt der Weg der Lebensmittel vom Stall oder Feld bis auf den Tisch quer über den Globus. Die neue Ausstellung „Future  Food. Essen für die Welt von morgen“ im Dresdner Hygiene-Museum widmet sich dem Thema Ernährung in einer globalen Welt. Von Samstag an wirbt sie für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen.

Essen ist ein Statement und längst keine reine Privatsache mehr. „Das, was auf dem Teller liegt, ist ein Politikum“, sagt die stellvertretende Museumsdirektorin Gisela Staupe. Das werde oft vergessen oder auch verdrängt. Die Ausstellung setze daher auf Vermittlung. „Wir alle gemeinsam müssen Verantwortung übernehmen“, sagt Staupe. Eine Installation am Eingang spricht auch gleich die persönliche Ebene an: ein Partyzelt, Essensreste auf den Tellern, Gespräche aus Lautsprechern im Hintergrund – eine Situation aus dem Alltag zur Einstimmung auf ein komplexes Thema.

Der Rundgang führt durch ein Gewächshaus, ein Logistikzentrum und einen Supermarkt, konzentriert sich auf die Themen Produktion, Handel und Konsum. „Es geht darum zu zeigen, was heute für die Zukunft entwickelt werden kann“, sagt Kuratorin Viktoria Krason. Ausgewählt wurden dafür rund 300 Objekte und Installationen, Interviews, Videos und Kunstwerke. Vorgestellt werden auch „Ideen des Wandels“, neue Methoden und Anbauweisen. Als Alternative zum Warenimport setzt der Inselstaat Singapur etwa auf „vertical farming“ (vertikale Landwirtschaft). Ein Film zeigt, wie Beete in Hochhäusern übereinander angelegt und in einem Kreislauf bewegt werden können – um das Sonnenlicht auszunutzen.

Die Ausstellung schaut zwar in die Zukunft, doch die Zukunft beginnt heute, sagt Kuratorin Krason. Jeder Mensch sei Teil des globalen Ernährungssystems, das Milliarden satt mache, während es mehr als 800 Millionen Menschen hungern lasse. Allein 40 Millionen Kinder unter fünf Jahren gelten als unterernährt. Dem stehen 338 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche sowie 672 Millionen übergewichtige Erwachsene gegenüber. Die Ausstellung konfrontiert mit globaler Verteilungsgerechtigkeit, vegetarischer Ernährung und der Macht von Lebensmittelkonzernen. Sie setzt aber auch auf Essen als Genuss, als Grundlage für Identität und Gemeinschaft. „Wer sich bewusst für Speisen auf seinem Teller entscheidet, deren Geschichten er gern erzählen kann, genieße anders, womöglich intensiver“, sagt Krason.

Avocados, Schokolade oder Hähnchen – meist würden Menschen in Industrieländern auf Kosten anderer essen. Die Ausstellung skizziert einige globale Produktionsketten nach. Weltweiten Handelsbeziehungen wohnen oft dramatische soziale und ökologische Ausbeutungsverhältnisse inne. Zum Beispiel verursacht die Avocado in einigen Ländern Lateinamerikas einen massenhaften Plantagenanbau – mit negativen Folgen für Böden und Wasservorrat. „Es ist nicht einfach, in einem Moment historischer Sattheit, in dem wir Nahrung und Güter aller Art zur Verfügung haben, ernsthaft daran zu glauben, dass sie alle auf einem prekären Versorgungssystem aufgebaut sind“, sagt der Journalist Jan Grossarth, wissenschaftlicher Berater der Ausstellung. Für die Welternährung gebe es aber „keine einfachen Lösungen“, sondern mehr solche für jeweils eine Region. Dennoch sei Ernährungsverhalten so etwas wie ein „social tattoo“. Es sei wichtig, fossile Energien nicht zu verschwenden und regionale Nahrungskreisläufe zu schaffen.

Es gibt sogar einen so genannten Mettigel aus Kunststoff zu sehen. Eine künstlerische Erinnerung an die 1960er Jahre. Foto: dpa/Robert Michael

Die Ausstellung „Future Food“ präsentiert Erkenntnisse zwischen Partystimmung und einer am Ende des Rundgangs festlich-opulent gedeckten Tafel. Museumsgäste sollen dort Platz nehmen und sich fragen: Was kann ich beitragen? Es seien erste kleine Schritte, die jeder für sich umsetzen kann, sagt Krason, etwa regional und saisonal einkaufen. Grossarth schlägt vor, den Kontakt mit Herstellern zu suchen, auf Etiketten zu achten. Letzten Endes gehe es um die Frage: Welche Zukunft ist für Sie tatsächlich genießbar? Da brauche es mündige Esser.