Auf dem Anekdoten-Karussell mit Wladimir Kaminer

Auf dem Anekdoten-Karussell mit Wladimir Kaminer

Russische Wahlmanipulation, finnische Sauna, griechische Arbeitsmoral – Vladimir Kaminer kam bei seinem Saarbrücker Auftritt an allem vorbei. Das war mal gelungen und geistreich, mal Mario Barth für Bildungsbürger.

War das nun eine Lesung? Oder schon so etwas wie Comedy? Bei Wladimir Kaminers Auftritt am Donnerstag in der Saarbrücker Garage wusste man das nicht so recht. Der in der Sowjetunion aufgewachsene Schriftsteller trug seine Texte im Stehen vor, sprach zwischendurch ganz frei und legte sehr viel Wert darauf, sein 200 Köpfe zählendes Publikum durchgehend bei Laune zu halten. Sei es nun mit absurden Reiseerlebnissen ("die Griechen sind wie die Russen: keine Arbeitstiere"), mit den sprechenden Haushaltsgeräten von Kaminers Mutter oder der Teenie-Tochter, die sich in Widersprüche verstrickt: Der Autor feuerte eine witzige Anekdote nach der anderen ab. Im Fall seiner Ehefrau - von ihr soll auch Kaminers nächstes Buch handeln - ging das allerdings nicht ohne Klischees: wie etwa dem Handtaschenkauf, der gegen Herbstdepression helfen soll. Das war dann schon Mario Barth fürs Bildungsbürgertum. Die Politik streifte Kaminer, der seinem Namensvetter Putin kritisch gegenüber steht, eher am Rande: So seien die Russen froh, dass sie endlich mal wieder einen Präsidenten wählen durften, auch wenn es nicht der eigene, sondern der amerikanische gewesen sei. Die Flüchtlingsthematik verpackte der 49-Jährige wie alles andere auch in eine Anekdote: Wie die finnische Sauna-Gesellschaft an der Integration einer Gruppe von Muslimen scheiterte, weil diese partout ihre Hosen nicht ausziehen wollten.

Kaminers humoristische Verpackung ernster Themen kam beim Publikum ebenso gut an wie seine Schilderungen der Alltags-Banalitäten. Hübsch war auch jene Geschichte von der Vorbereitung auf eine Party, an der Lars von Trier und Charlotte Gainsbourg teilnehmen sollten, die kurz zuvor den Kultur-Porno "Nymphomaniac" gedreht hatten: Da habe Kaminer sich den Film vorab anschauen wollen; das russische Piratenportal habe ihm unter diesem Titel aber einen ganz anderen Film gezeigt, was zu peinlichen Verwirrungen auf jener Party geführt habe.

Der starke Applaus am Ende war Indiz dafür, dass Kaminers Comedy-Lesung gut unterhalten hatte - vielleicht muss er bald gar keine Bücher mehr schreiben.