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Auch wenn die Stimme kippt – die Stimmung bleibt gut

Auch wenn die Stimme kippt – die Stimmung bleibt gut

Im August 2017 kommt „Spamalot,“ das Musical zum bekannten Monty-Python-Film „Die Ritter der Kokosnuss“, in den Merziger Zeltpalast. Derzeit sucht man talentierte Laien für den Chor. SZ-Mitarbeiterin Astrid Karger war beim Vorsingen dabei.

Volk, Ritter und Marktfrauen werden bald gebraucht in Merzig. Denn die dürfen nicht fehlen im Musical "Spamalot". Und so suchte Joachim Arnold bei einem Casting-Termin Komparsen. Seine Firma "Musik & Theater Saar" hat die Salzburger Inszenierung des Musicals mitproduziert. Was in Salzburg der Opernchor des Landestheaters leistete, sangen und tanzten in Merzig jetzt jene zwanzig ambitionierten Laien, die vor den Juroren Edda Petri, Joachim Arnold, dem musikalischen Leiter Tom Bitterlich und Regisseur Andreas Gergen überzeugen mussten.

Jeder Teilnehmer muss in einem großen leeren Raum vor die Jury treten, um ein selbstgewähltes Lied vorzutragen, der Jazzpianist Manuel Krass begleitet leichthändig, gibt Rückhalt. Vielversprechende Teilnehmer wie Samantha aus Freiburg werden zu allerlei stimmlichen Kapriolen ermuntert, das eingestrichene "a" erreicht die Gesangsstudentin mit vollem Klang, Gergen und Bitterlich aber wollen den Stimmumfang bestimmen und treiben sie noch höher. Die Stimme kippt, die Stimmung nicht, die Atmosphäre bleibt locker, niemandes Existenz hängt von diesem Vorsingen ab, alle sind aus Freude am Singen und Interesse am Musical gekommen.

Sven Eric singt in einer Rockband "alles, außer schwere Sachen," er groovt sich beim Vorsingen durch Tina Turners "Proud Mary" und bittet bei dem Monty Python Klassiker "Always look on the bright side" um Unterstützung beim Pfeifen. Lena, Schülerin, ist 16 Jahre alt. Schüchtern und dennoch selbstbewusst singt sie mit viel Ausdruck "Gold von den Sternen" aus dem Musical "Mozart!". Der 17-jährige Erik verleiht einem Stück von Tim Bendzko Zartheit. Gerade die jungen Stimmen berühren. Eine Teilnehmerin bekennt freimütig, Noten lesen könne sie gar nicht. Andreas Gergen fragt nach etwaiger Bühnenerfahrung und - ganz wichtig - ob die zukünftigen Musical-Darsteller denn im August auch Zeit hätten. Zur Tanzprobe holt er alle rein und tanzt einfache Schrittfolgen vor.

Arnold verpflichtet für die Hauptrollen wie auch sonst Profis. Sich für den Chor im Land umzusehen ist aber ein schlauer Zug. Schließlich dient das auch der Verankerung des Merziger Zeltpalasts in der Region, auf "persönlich-emotionalem Weg", wie er sagt.