Architekten und ihre Häuser:Wie der Saarbrücker Architekt Markus Ott baute.

Architekten und ihre Häuser : Einen Rhythmus finden für das eigene Haus

Was entsteht, wenn Architekten ihr eigenes Haus bauen? In loser Folge stellen wir saarländische Architekten vor, die es taten. Heute: Markus Ott.

In das Haus von Elke und Markus Ott geht man nicht einfach hinein, beim Klingeln steht man nicht davor, sondern darunter. Es steht auf Stützen. Dann geht es über enge Wendeltreppen nach oben, die erste Etage mit den Schlafräumen wird rechts liegen gelassen, noch eine Runde Stufen und der freie Blick übers Land erklärt sofort den Reiz des In-die-Höhe-Bauens. Das im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual gelegene Haus, das der Architekt Markus Ott für die schwierige Steilhanglage konzipierte, geht bei 24 Metern Grundstückstiefe etwa 14 Meter in die Höhe. Vier tragende Mauern, Dach drauf – nein: Der Architekt wollte mehr. Konstruieren, nicht mauern, ein tragfähiges Gerüst erdenken, das sich nicht versteckt, sondern Breite und Höhe „rhythmisiert“.

Der große Raum unter dem Dach, die „Beletage“ wirkt leicht, filigran, das Dach scheint zu schweben. Ein Stück in Dur, und so wie sich in der Musik Beschwingheit komponieren lässt, sind es auch hier einzelne Zutaten, Details wie das Enden der Verstrebung der großen Glasflächen kurz unterhalb der Dachkonstruktion. Das viele Glas „entmaterialisiere“, sagt Markus Ott. Die feuerverzinkte Stahlträgerkonstruktion wirkt nicht wuchtig, sie blieb ungestrichen – „das Geld war alle“.

 Wie eine leichte Decke, zeltartig, liegt das Dach auf. Helles Nadelholz, urwüchsig und lebendig mit vielen Astlöchern, korrespondiert mit den langen Bodendielen und macht den großen Raum, der ansonsten aus Glas besteht, gemütlich. Der viele Platz auch nach oben, erlaubte den Bau einer begehbaren Galerie. Wohnlich sollte es bei aller „Materialehrlichkeit“ schon sein, ein Zuhause für die junge Familie, ein Nest, aber keine Höhle, sondern luftig, offen, transparent. Markus Ott und seine Frau Elke hatten das waldige Grundstück über eine Anzeige gefunden, eine längere Genehmigungsphase machte es schließlich 1995 zum Baugrundstück mit Herausforderungen. Sind die in den Sandsteinfelsen eingelassenen Einzelfundamente ausreichend groß? fragte der hinzugezogene Prüfstatiker.

 Die Stelzen, die das Haus tragen und es so wunderbar anheben, sind auch eine Reminiszenz an Le Corbusier, der mit den „pilotis“, dem Pfahlwerk, unter anderem den Boden unberührt lassen wollte, um das, was in Behördendeutsch „Flächenversiegelung“ heißt, zu vermeiden. Auffallend in Otts Haus ist eine aus Kalksandstein gemauerte, weiß gestrichene Wand. Sie bringt zwei Aspekte zum Ausdruck. Zum einen wollte Markus Ott bei all dem verbauten Glas dann doch noch eine wärmespeichernde Wand – auf dieser einen schmalen Hausseite ist so auch die Außenwelt ferngehalten. Und zum anderen reizte ihn die Idee einer Mauer, die nicht tragend ist, sondern sich in die Stahlkonstruktion einfügt, sich ihr unterordnet. „Wieviel muss sein?“ hatte Ott sich gefragt, er wollte einfach, natürlich, kostengünstig und mit viel Eigenleistung bauen, konstruieren, technische Möglichkeiten nutzen.

Den Schritt das eigene Haus zu bauen, tat er früh, es war auch der Schritt in die berufliche Selbständigkeit. „Ich habe viel riskiert, viel ausprobiert.“ Die Sperrholzfassade würde er so nicht mehr bauen – sie verwittert zu schnell – und vielleicht mehr Sonnenschutz einplanen. Das Haus nutzt die Sonnenenergie auch ohne Photovoltaik gut, es heizt sich schnell auf, und Lampen braucht man erst, wenn es draußen wirklich dunkel ist. Es ist ein Haus, das Antworten gibt, man lebt nicht nur in ihm, sondern mit ihm. Es spricht immer deutlich – ist es draußen heiß, dann auch drinnen. Regnet es, dann sieht man das. Geht einer durchs Haus, hört man ihn. Offenheit sei eine Grundtugend, meint Markus Ott.

 Es gibt auch einen kleinen Garten hinter dem Haus, der ist nur durch eine schmale Tür vom großen Küche-Ess-Wohnraum unterm Dach aus zu erreichen: ein stiller Rückzugsort.

Mehr von Saarbrücker Zeitung