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Alte Musik-Reihe startet mit bannendem Bach-Konzert

Saarbrücker Festival : Lobet den Herrn – den Herrn Hartmann

Das Saarbrücker Alte-Musik-Festival startete mit Bach pur. Sein Mitbegründer Norbert Hartmann wurde zum Honorar-Professor ernannt.

Was für eine herrliche Musik! Klang, der sich strahlend verjüngt, verzweigt, kühn nach oben strebt. Wie Säulen und Streben einer Kathedrale. Mag sein, dass einem, Johann Sebastian Bachs Mottete „Lobet den Herrn, alle Heiden“ im Ohr, in der Stiftskirche St. Arnual leicht ein solcher Gedanke kommt, auch wenn das Saarbrücker Gotteshaus zwar keine Kathedrale ist, aber eben doch eine einzigartige Kirche.

Und der zweite Gedanke? Dass eben diese Mottete zu Beginn des Prologkonzerts des „Tamis“-Festivals ja eigentlich nur mit Hintersinn gewählt sein konnte. Denn sollte mit „Lobet den Herrn...“ in diesem speziellen Fall nicht auch der Herr Norbert Hartmann gemeint sein? Ja, es muss so sein. Schließlich ist er Mitinitiator der Fritz-Neumeyer-Akademie für Alte Musik und Mitbegründer der Tage Alter Musik im Saarland, kurz „Tamis“. Er ist der Mann, der dafür die Strippen zieht, gewitzt das Geld eintreibt; ein unentwegter Vernetzer. Seit 25 Jahren schon, so lange gibt’s die Akademie. So lange macht sich der frühere Manager dafür stark.

 Ein Engagement, dass man mit Geld nicht bezahlen kann, dass das Land aber nun mit einer Ehren-Professur honorierte. Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) brachte es auf den Punkt: „Die Alte Musik und Norbert Hartmann, das sind fast Synonyme im Saarland, der eine nicht ohne die andere denkbar“. Wohl wahr. Hartmann selbst nahm’s als „Ansporn“, weiter für die Alte Musik zu streiten. Aber es gelte nicht nur der reinen Kunst, betonte er: „Investitionen in Bildung und Kultur sind Investitionen in unser aller Zukunft.“

Womit der Worte denn fast genug gewechselt waren. Schließlich sollten ja auch die Tage der Alten Musik anklingen. Dazu war ein weiterer Altgedienter der Neumeyer-Akademie mal wieder im Saarland: Prof. Felix Koch. Der Alte-Musik-Spezialist brachte den Mainzer Gutenberg-Kammerchor mit; an der dortigen Uni lehrt Koch, dazu das Neumeyer-Consort, quasi das Hausorchester der Saarbrücker Akademie. Das Programm übrigens, Bach pur, orientierte sich notengenau an einem Konzert, das vor 40 Jahren in St. Ingbert zu hören war. Damals mit Dirigent Helmut Haag, der ungeahnt damit Großes bewirkte. Denn der Dirigent jetzt vom Montagabend, Felix Koch, war seinerzeit neun, saß auf der Empore – war entzündet, und wollte Musik, vor allem Alte Musik, machen. Wenn diese dann so pulsierend, transparent und mit Herzblut musiziert wird wie im Brandenburgischen Konzert Nr. 4 ist es eine Lust. Und wenn ein Chor wie im Schluss­choral der „Kreuzstab“-Kantate an Letztes zu rühren vermag, weist Musik sogar über sich hinaus.

Im Gespräch mit Prof. Thomas Krämer lotete Koch dann auch noch das Spannungsverhältnis zwischen den hohen musikalischen Ansprüchen der historisch informierten Aufführungspraxis einerseits und andererseits den Nöten der Aufführenden aus, sprich dem Geldmangel. Manchmal müsse man eben mit dem auskommen, was man hat, sagte Koch pragmatisch. Helmut Haag habe damals für die Kantate „Komm, du süße Todesstunde“ weder den eigentlich vorgesehenen Alt noch den Tenor gehabt. Er setzte die Arien und Rezitative darum für Bass und Sopran und verlegte auch das „Oh Haupt voll Blut und Wunden“-Motiv, für das die Orgel fehlte, in die Streicher. Auch Koch blieb nun bei dieser Variation. Und das Resultat bannte – auch dank der überzeugenden Solisten Eva Maria Leonardy und Christian Wagner. Das nennt man dann wohl historisch findige Aufführungspraxis.