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Nena in der Saarlandhalle: „Alt geworden, jung geblieben“ – Nena

Nena in der Saarlandhalle : „Alt geworden, jung geblieben“ – Nena

Nena hat in der ausverkauften Saarbrücker Saarlandhalle mit einem fulminanten Mix aus alten und neuen Liedern begeistert.

Angenommen, man würde diese Frau nicht kennen, die da über die Bühne in der Saarlandhalle fegte. Man wüsste nicht, dass sie mit 25 Millionen verkauften Tonträgern seit den 80ern eine der erfolgreichsten deutschen Popmusikerinnen ist – mit Höhen und Tiefen. Dann käme man nicht auf die Idee, dass diese Power-Frau mit den schwarzen langen Haaren, der engen schwarzen Hose und dem drübergezogenen Leder-Rock stramm auf die 60 zugeht. Und dass es ihr sowas von egal ist.

Nena ist Kult. Und sie füllte die Saarlandhalle am Donnerstagabend bis auf den letzten Platz. Für die vielen älteren Jahrgänge im Publikum ist sie die Ikone ihrer Jugend aus den 80er Jahren, als sie mit „99 Luftballons“ (1983) einen Welthit schaffte. Die Jüngeren kennen sie von Partys ihrer Eltern und sind ebenfalls textsicher bei „Nur geträumt“ oder „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Und die Kinder vergöttern das Juroren-Team „Larena“ aus der Casting-Show „The Voice Kids“, in der die Mutter Nena gemeinsam mit Tochter Larissa, die auch in Saarbrücken als Background-Sängerin auf der Bühne stand, junge Gesangstalente betreut und bewertet.

In der TV-Show wirken die beiden manchmal zu aufgedreht. Auf der Bühne aber ist Nena nach wie vor eine Wucht, überzeugt nicht nur mit ihrer immer irgendwie bekifft klingenden Stimme, die den ganzen Abend lang – über zwei Stunden lang – trägt. Sie kommt auch viel natürlicher rüber. Die Frau weiß, was sie geschafft hat, und bringt es selbstbewusst in ihren Texten und ihrer Show rüber. Zu neueren Stücken spielt sie selbst Gitarre auf einem Podest weit hinten im Publikum. An anderer Stelle greift sie sich die Drumsticks und steigt aufs Schlagzeug-Podest. Ein weiteres Stück begleitet sie mit dem umgehängten Keyboard. Mit ihren sechs exzellenten Musikern und drei Background-Sängern geht es rockig durch den Abend, bei dem die Mischung stimmt aus Alt und Neu.

Freilich sind es die mittlerweile zeitlosen Nena-Klassiker, die das Publikum begeistern, das lauthals mitsingt: Nena nimmt ihre Fans mit auf die 80er-Jahrer-Party, die sie sich gewünscht haben. Und streut selbstbewusst und dramaturgisch passend Stücke der aktuelleren Alben ein. „Leute, es muss auch neue Songs geben!“, ruft sie der Menge zu, deren Stimmung immer gleich wieder ein bisschen verebbt, sobald es ruhiger wird auf der Bühne. Nena hat tolle Balladen im Programm: „Ich geh mit dir wohin du willst“ ist ein Klassiker, ebenso „Liebe ist“ und „Willst du mit mir gehen“. Und das schmalzig-süße „Kleine Taschenlampe brenn’“, das Nena mit einem selbstironischen Augenzwinkern ansingt. Wo früher die Feuerzeuge brannten, gehen nun die Handy-Lampen an. Nur leider vergisst so mancher der Handy-Dauerfilmer im Publikum, dass er sich auf einem Live-Konzert befindet, dessen Charme es ausmacht, die Künstlerin in echt zu erleben statt durchs Display des Mobiltelefons.

Nena ist gesegnet mit einer gesunden Portion Selbstironie. Ihre Lebensfreude ist ansteckend, das Publikum ist aus dem Häuschen, als vier riesige Luftballons zu „99 Luftballons“ gegen Ende des Konzerts einschweben. Dass sie sich auch musikalisch weiterentwickelt hat, Neues ausprobiert, beweist sie in den Zugagaben. „Alt geworden, jung geblieben“ – genauso kommt diese Frau rüber. Als „berufsjugendlich“ verschrien dreht sie den Spieß um. „Ich bin so Old school, jaaaa“ rappt Nena, assistiert von Tochter Larissa, der ihre Mutter – anders als in vielen anderen Mutter-Tochter-Konstellationen – überhaupt nicht peinlich ist, wie sie da auf der Bühne abgeht und den Kritikern ihrer „Berufsjugendlichkeit“ die Meinung geigt. Die fünffache Mutter gibt selbstbewusst die Rock-Oma. Man wünscht sich nur noch Mick Jagger auf die Bühne oder den schnoddrigen Udo Lindenberg, mit dem sie in den 80er Jahren tatsächlich mal liiert war.

Auch wenn Nena zwischenzeitlich ziemlich abgemeldet war: Seit ihrem Comeback mit den alten Hits 2002 ist sie wieder eine feste Größe im deutschen Pop-Geschäft. Nicht zuletzt hat sie die Casting-Shows genutzt, sich ein neues, jüngeres Publikum erschlossen, das am Donnerstag kräftig mitfeierte. „Mein erstes Album ist seit 34 Jahren draußen, man kann es gar nicht mehr im Laden kaufen“, heißt es in „Old School“ von 2015. „Ich bin schon so lang da – N--E--N--A!“ Vermutlich wird sie es noch eine Weile bleiben.