Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus: Allerlei Überraschungen in Kisten

Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus : Allerlei Überraschungen in Kisten

Das Saarländische Künstlerhaus zeigt die Ergebnisse eines Kunstprojekts in der Großregion.

Künstler lassen sich nur ungern etwas vorschreiben. Das hinderte sechs Kunstinstitutionen in der Großregion aber nicht daran, 16 Künstlern aus Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland eine „Blackbox“ zur Verfügung zu stellen und sie zur Arbeit mit der Kiste aufzufordern. In Zusammenarbeit mit dem Faux Mouvement in Metz, dem Centre d’art contemporain du Luxembourg belge, der belgischen Provinz Luxemburg, der Orangerie Bastogne, dem CEC La Hesse im belgischen Vielsam und dem Casino Luxembourg zeigt das saarländische Künstlerhaus nun das Ergebnis.

Im Rahmen des Projekts erhielten die Künstler eine hölzerne Tischvitrine aus der sie ein Kunstwerk gestalten sollten. Einzige Bedingung: Die „black box“ musste Teil der Arbeit sein. Der Heidelberger Arvid Boecker war von der Idee des länderübergreifenden Projektes so angetan, dass er Grenzen überwinden wollte. Er lud 251 Künstler aus 22 Ländern ein, ihm ein kleines Kunstwerk für seine Box zu schicken. Unter einer Plexiglasscheibe hat er das Ergebnis gesammelt, einige Exemplare ausgestellt und ergänzte dies mit eigenen Arbeiten seiner Farbfeldmalerei.

Steve Velosos Ansatz war weitaus radikaler. Der Luxemburger hat aus der Kiste eine Stele gebaut und in eine Aussparung eine Vase mit weißen Lilien gestellt. Das Objekt platzierte er vor einem dunkeln Bild des Kosmos. Der Franzose Joël Hubaut überzeugt mit einem kleinteiligen Mikrokosmos aus Fundobjekten, in dem man auf Entdeckungsreise gehen kann. Damit überträgt er die für ihn typischen Zeichnungen an der Wand dahinter in die dritte Dimension.

Spannend ist die Bandbreite künstlerischer Strategien, die manchmal Überraschendes hervorbringt, wie bei der Installationskünstlerin Anke Mila Menck, die plötzlich malerisch tätig wird. Andere Arbeiten sind wiederum unverkennbar. Etwa die der Belgierin Laura Delvaux, die 2008 ihre Liebe zu textilen Materialien entdeckte. Sie wickelt Objekte in Textilien, umgarnt sie mit Wollfäden. So „mumifiziert“ sie Plüschtiere, Geweihe und Statuen zu vielfarbigen Kokons. Ihre Holzkiste ist mitsamt Beinen mit Wollfäden, Fasern und Stoffen eingesponnen. Ein Plüschbär ist eingewoben. Ihr Werk lebt von der Ambivalenz aus fröhlicher Farbigkeit und morbidem Grusel.

Nicht jedes Werk überzeugt. Rohan Graeffly nutzt seine Box vor allem als Sockel für eine Installation – die Einfallslosigkeit ist ungewöhnlich für das Multitalent. Auch der Fotograf Armand Quetsch nutzt die Möglichkeiten der Box nicht wirklich. Desgleichen Claudia Passeri, deren überdimensionale Handinnenflächenabdrücke zwar reizvoll sind, die Box aber nur als Sockel nutzen. Die drei Künstler begreifen die „Blackbox“ vor allem als Konzept des Versteckten, vergessen dabei aber, den Betrachter mitzunehmen. das ist zwar nicht tragisch, offenbart jedoch, wie schwierig es für manche Künstler ist, auf Vorgaben zu reagieren. Ganz anders macht das Philipp Hawlitschek, der mit kinetischer Kunst zu überzeugen weiß.

Miniatur-Arbeit von Nicolas Tourte. Foto: Nicolas Tourte/Saarländisches Künstlerhaus

Bis 3. Juni. Di bis So: 10-18 Uhr.

Mehr von Saarbrücker Zeitung