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Abschlusskonzert der „Saarbrücker Dirigentenwerkstatt“

Abschlusskonzert der „Saarbrücker Dirigentenwerkstatt“ : Klangkoloss meistert brachiale Stücke virtuos

Mehr Musiker als Zuhörer waren beim Studiokonzert plus am Freitag im SR-Sendesaal auf dem Halberg. War der Corona-Virus dafür verantwortlich? Die Neue Musik? Das Abschlusskonzert der „Saarbrücker Dirigentenwerkstatt“, gefördert vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates, war ganz auf Werke des vorigen Jahrhunderts abgestimmt, die besondere dirigier-  und spieltechnische Herausforderungen bieten.

Dozent Manuel Nawri betreute drei junge Dirigenten, die mit der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) ihre Fähigkeiten testen und schärfen konnten.

Mit „Fünf Stücken für Orchester op.16“ realisierte Arnold Schönberg expressiv eine angestrebte „Freiheit des Ausdrucks“, ohne die Formgesetze der Tonalität. Dazu benötigt er ein riesig besetztes Orchester, was Aufführungen erschwert.

Zwei Nachwuchsdirigenten teilten sich die Leitung des Klangkolosses: Zuerst Nikolaus Henseler, der mit weitgreifender akademischer Geste, die Klangmassen steuerte. Danach Valentin Egel, der impulsiv und energisch das Expressive förderte. Mit ausgereifter Schlagtechnik absolvierte Hangyul Chung souverän das Klavierkonzert von György Ligeti, einem „ästhetischen Credo“ der „Unabhängigkeit“ von tradierten Modernismen, eine mathematisch-geometrisch komponierte Illusion. Virtuoser Solist war Imri Talgam, der mit der DRP die rhythmischen Hürden souverän nahm. Dann Henseler mit einem ausgedehnt konstruierten „Aufbruch“ für Orchester und fünf Computer von Thomas Kessler. Mit Umplatzierung einzelner Musiker wurden reizvolle Stereo-Effekte erzielt, Klang- und Geräuschkollagen in immer neuen Konstellationen ermüdeten. Gary Berger steuerte am Mischpult die elektronischen Zutaten bei. Der gewohnten Hör-Ästhetik nahe kam Tore Takemitsus „How slow the wind“. Egel organisierte das meditative Klangstück mit ruhiger Hand, das sich sogar Melodie, Dur und moll, angenehmes Piano und einfache, schöne Klänge gönnt. Ein versöhnlicher Ausklang nach  mitunter brachialen Arbeiten.