3. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am Sonntag in Saarbrücken

3. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am Sonntag in Saarbrücken : Wie Frauen in einem chinesischen Garten klingen

Ob in den berühmten Gärten der chinesischen Stadt Suzhou Blumen blühen, Pflanzen gedeihen? Die europäische Erstaufführung von Christian Josts „The woman in the Gardens of Suzhou“ im 3. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am Sonntag in Saarbrücken implizierte diese Frage.

Aus seiner Oper „Rote Laterne“ hat Jost fünf Episoden extrahiert, die das geheimnisvolle Leben der Opern-Protagonistin beim Wandeln durch diese Gärten nachzeichnen sollen. Schlagzeug-Ostinati suggerierten Fernöstliches, in dicht-dunkle Klang-Collagen verirrten sich Melodie-Fragmente. Viele Noten waren das, die das Orchester unter der aufmerksamen Leitung von Jonathon Heyward etwas langwierig beschäftigen. Der anwesende Komponist konnte  freundlichen Applaus entgegennehmen.

Dann Robert Schumann, Klavierkonzert a-moll. Wer routiniertes „wieder mal“ erwartet hatte, wurde überrascht. Mit Herbert Schuch war ein Tastenkünstler am Flügel, der frei von falscher Sentimentalität, klar und ohne Virtuosen-Allüren das Klavier zum Singen brachte, tief in die Musik-Strukturen eintauchte, ihnen Charakter verlieh. Das Orchester schloss sich ihm an, von Heyward zur Detailgenauigkeit  inspiriert und subtil Schumanns Idealvorstellung realisierend, für den „das Klavier mit dem Orchester zu verbinden“ sei. Eine fesselnde Interpretation, die reichen Beifall fand und die mit der Zugabe, Clara Schumanns Variationen op.20 über ein Thema Roberts berührende Ergänzung fand.

In Mieczsław Weinbergs 3.Sinfonie op.45 lief das Staatsorchester dann – auch  zahlenmäßig – zu großer Form auf. Die heitere Grundhaltung ließ die existentiellen Ängste des in die Sowjetunion geflüchteten, jüdisch-polnischen Komponisten nur ahnen. Wie sein Freund Schostakowitsch wusste auch er zu irritieren, etwa mit einem überraschenden Dur-Schluss im Adagio oder einem verkappt-verzweifelten Walzer im Finale. Die Interpretation war kraftvoll und kontrastreich, sie machte neugierig  auf mehr von Weinberg. Überzeugend.

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