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In Saarbrücken lösten Querdenker einen Großeinsatz der Polizei aus

Trotz Demoverbot : Querdenker lösen Großeinsatz in Saarbrücken aus (mit Bildergalerie)

Am Samstag kam es an mehreren Stellen in der Landeshauptstadt zu Protesten durch Querdenker. Diese setzen sich damit über eine zuvor durch die Stadt ausgesprochene Verbotsverfügung hinweg.

Die Stadt Saarbrücken hatte eine durch den lokalen Ableger der Querdenker-Bewegung angemeldete Demonstration am Samstag eigentlich verboten. Dennoch zogen am 17. April einige Dutzend Personen durch die Landeshauptstadt. Dabei lieferten sie sich nicht nur ein stundenlanges Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, sondern lösten auch einen Großeinsatz aus, der für einige wohl ein juristisches Nachspiel haben wird.

Eine Querdenker-Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen war ursprünglich um 16 Uhr auf dem Tbilisser Platz vor dem Staatstheater geplant gewesen. Diese wurde am Donnerstag durch die Stadtverwaltung untersagt. Wie ein Sprecher mitteilte, sei es bei vergangenen Veranstaltungen wiederholt zu einer „hohen Anzahl“ von Verstößen gegen die Corona-Verordnung, insbesondere die Maskenpflicht und das Abstandsgebot, gekommen. Es bestand daher die begründete Befürchtung, dass dies auch bei der Demonstration am 17. April der Fall sein werde. Damit sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit – und damit eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung – zu erwarten“.

Bereits drei Wochen zuvor hatte die Stadt eine ähnliche Veranstaltung untersagt. Dennoch kam es am 27. März zu einer Ansammlung von etwa 70 Personen auf dem St. Johanner Markt, welche nach diversen Provokationen gegen die Einsatzkräfte vor Ort von der Polizei aufgelöst werden musste. Dass es dieses Mal auch so weit kommen könnte, war abzusehen: Die Querdenker hatten in den sozialen Netzwerken sowie einschlägigen Chats dazu aufgerufen, sich trotz des Verbots in Saarbrücken zu treffen.

Nachdem bereits Stunden zuvor am St. Johanner Markt und auf dem Tbilisser Platz vor dem Staatstheater einzelne Grüppchen anzutreffen waren, die der Bewegung nahestehen, versuchten schließlich gegen 15.30 Uhr mehrere Personen mit Trommeln und Rasseln, über die Alte Brücke in die Innenstadt zu ziehen. Darunter befand sich auch der Anmelder der verbotenen Demonstration. Die Polizei hielt die Gruppe auf der Brücke auf und untersagte ihr schließlich den geschlossenen Einmarsch Richtung St. Johanner Markt.

Später zog die Gruppe (darunter mindestens ein Kind) trommelnd und Parolen rufend zur Kreuzung Eisenbahnstraße/Stengelstraße. Dort tanzten sie gegen 16 Uhr zu lauter Musik und weigerten sich, den Ort zu verlassen. Die wertete die Polizei schließlich als (verbotene) Versammlung und kesselte die Gruppe ein. Infolgedessen wurden die Personalien der Anwesenden aufgenommen. Einzelne leisteten dagegen Widerstand und wurden erkennungsdienstlich behandelt. Verhaftet wurde allerdings niemand.

Über ein Dutzend Einsatzwagen der Polizei waren vor Ort. Der Verkehr auf der Stengelstraße Richtung Innenstadt konnte zeitweise nur einspurig fließen. Laut einem Sprecher der Polizei erwartet alle Beteiligten eine Ordnungswidrigkeitsanzeige. Darüber hinaus kam es aber im Laufe des Samstags noch an weiteren Stellen in der Stadt, beispielsweise am St. Johanner Markt, zu gezielten Störaktionen durch Querdenker – wie viele insgesamt, war auch am Samstagabend noch nicht klar. Auch könne man über die genaue Zahl der Teilnehmer noch nichts sagen, erklärte Einsatzleiter Eric Schweizer.

In Saarbrücken lösten Querdenker einen Großeinsatz der Polizei aus
Foto: Tom Peterson

Sichtbaren Gegenprotest gab es keinen. Passanten reagierten größtenteils irritiert auf die Aktionen der Querdenker. Anwesende Journalisten wurden mehrfach bepöbelt sowie demonstrativ gefilmt und fotografiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Querdenker-Ansammlung in Saarbrücken beschäftigt Polizei