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Wie die hohen Preise für Heizöl eine Familie aus Ormesheim bedrohen

Energiekrise : Kein Geld für große Heizöl-Lieferung: Saar-Familie nutzt Diesel für warme Dusche

Ob Gas, Heizöl, Sprit oder Lebensmittel: Die Preise steigen derzeit rasant. Familien mit niedrigem Einkommen sind Studien zufolge am stärksten betroffen. Anja Halemeier aus Ormesheim, Mutter von fünf Kindern, berichtet, wie die hohen Preise den Lebensalltag ihrer Familie bedroht.

Letzten November kostete der Liter Heizöl noch 90 Cent im Saarland, jetzt sind es etwa 1,70 Euro. Bei einem Liter Diesel ist es noch extremer, der Preis hat sich im Vergleich zu den Tiefständen im letzten Jahr verdoppelt. Bei Gas sieht es nicht anders aus. Die Steigerung des Strompreises fällt da mit etwa 20 Prozent noch moderat aus. Zu den gestiegenen Energiepreisen kommen die heftig verteuerten Preise für Lebensmittel hinzu. All das beschäftigt derzeit viele Menschen sehr stark, weil sie nicht wissen, wie sie sich das Heizen im Winter leisten können.

Geld ist knapp: Haus noch nicht abbezahlt, fünf Kinder

Anja Halemeier aus Ormesheim (Teil der Gemeinde Mandelbachtal) ist eine davon. Sie schildert uns, wie stark die Preisentwicklung in ihr Familienleben eingreift.

  • Die Mutter von fünf Kindern im Alter von 19, 16, 15, 12 und 7 Jahren arbeitet Vollzeit in einer Fahrschule.
  • Ihr Mann Markus ist im Schichtdienst bei einem Automobilzulieferer tätig – was wieder eine weitere Unsicherheit mitbringt, weil in dieser Branche häufig Mitarbeiter entlassen werden.
  • Die Familie lebt in einem Haus, das noch nicht abbezahlt ist.
  • Für die monatliche Rate von 640 Euro wäre es schwierig, eine Wohnung für fünf Kinder zu finden.
  • Halemeier sagt, sie sei immer finanziell auf Kante genäht.

Heizöl-Firmen rücken erst ab 500 Litern aus – Diesel als Notlösung

Einmal im Jahr geht die Familie campen, mehr ist an Urlaub nicht drin. Aber früher habe sie über das Jahr immer genügend Geld zusammenkratzen können, um Heizöl für den Winter zu kaufen. Dieses Jahr fehlt ihr dieser Betrag. „Unter 500 Litern rücken die Heizölfirmen nicht aus“, weiß sie.

Obwohl der Liter Diesel an der Tankstelle aufgrund der Besteuerung mehr kostet, fährt sie manchmal mit einem Kanister dort hin, damit die Familie warm duschen kann. Wenigstens kann Halemeier das Erdgeschoss mit Holz heizen, im ersten Stock fehlt diese Möglichkeit.

Hohe Ausgaben für Montessori-Schule

An Einsparmöglichkeiten hat Halemeier alles schon durchgedacht – nur eine Sache könnte ihr da theoretisch noch helfen: Die jüngeren drei Kinder gehen nach Friedrichsthal in die Montessori-Schule. Diese private Schule mit einem besonderen pädagogischen Konzept erhebt ein Schulgeld, den sogenannten Förderbeitrag. Im Monat sind es derzeit 640 Euro. „Die Überlegung steht jetzt im Raum, die jüngsten drei Kinder von der Schule zu nehmen, weil ich mir das nicht mehr leisten kann.“

Eigentlich möchte Halemeier das unter allen Umständen vermeiden. „Dafür bin ich zu sehr von der Montessori-Methode überzeugt. Ich will da meine Kinder auch nicht rausreißen. Lotte ist schon acht Jahren in diesem System, Hannes sechs Jahre.“ Der lange Weg von Ormesheim nach Friedrichsthal (22 Kilometer Landstraße) ist aber auch ein Problem. „Wir haben das bisher mit einer Fahrgemeinschaft mit Freunden aus Bliesmengen-Bolchen bewältigt, weil die Bustickets die Spritkosten weit überstiegen haben. Zumal die Kinder mit Bus und Bahn anderthalb Stunden unterwegs sind. Aber jetzt überlegen wir wirklich, das Busticket zu kaufen.“ Und das, obwohl eher selten Busse durch Ormesheim fahren.

„Permanentes Kopfkino und schlaflose Nächte“

Halemeier möchte ihren Kindern auch ermöglichen, weiterhin in Vereine zu gehen („die ziehen ihre Preise auch an“), oder ihrer Ältesten, dass sie mal ausgehen kann in Saarbrücken. „Durch Corona waren die Kinder eingesperrt, die wollen jetzt auch mal weg. Da fährt man die halt mit dem Auto.“

Wie wohl bei vielen Arbeitnehmern ist Halemeiers Gehalt nicht an die gesteigerten Lebenshaltungskosten angeglichen worden. „Ich habe die Steuerklasse fünf mit 40 Prozent Abzügen. Ich stehe da auch ständig vor der Entscheidung: Warum gehe ich überhaupt 40 Stunden die Woche arbeiten?“ Die Alternative wäre das Sozialamt. „Andere Mütter sind zuhause und für ihre Kinder da, für den Rest muss dann der Staat sorgen.“ Aber so etwas will Halemeier ihrem Nachwuchs auf keinen Fall vorleben. Sie gehe auch leidenschaftlich gerne arbeiten, sagt sie. All diese Schwierigkeiten verursachen bei ihr „permanentes Kopfkino und schlaflose Nächte“. Sie sagt: „Man weiß gar nicht, wo das hin führt. Die Franzosen senken jetzt deutlich die Energiepreise, um den Bürgern entgegenzukommen. Bei uns sind die staatlichen Hilfen zu vernachlässigen“, findet sie.