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Gas, Wärmepumpe, Heizöl: Schwere Suche nach neuer Heizung - Experte gibt Tipps

Heizöl, Gas oder Wärmepumpe? : Suche nach einer neuen Heizung wird immer schwerer: Ein Experte gibt Tipps

Heizungen halten Jahrzehnte. Aber wer jetzt wechseln muss, für den wird es oft kompliziert. Heizöl, Gas oder Wärmepumpe? Einfache Antworten gibt hier nur selten. Wie sich Krieg und Klima auf die Entscheidungen der Menschen im Saarland auswirken.

Heizungen haben eine ziemlich lange Lebensdauer. Bevor Hausbesitzende viel Geld in eine neue Heizung investieren, vergehen oft Jahrzehnte. Das weiß auch Thomas Streit, Energieberater bei der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung Neunkirchen (KEW). „Die Leute beharren auf ihrer Heizung. Einige halten ja auch locker 30 bis 40 Jahre durch, ohne große Probleme zu machen“, sagt er. Bereits nach 20 Jahren lohnt sich ein Heizungswechsel, um Energie zu sparen. Solange der Schornsteinfeger jedoch nicht die Rote Karte zeigt, würde niemand Handlungsbedarf sehen, meint Streit.

Dieser Eindruck wird durch Zahlen der Schornsteinfegerinnung und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bestätigt. Im Jahr 2019 wurde von den über 300 000 Wohngebäuden im Saarland 147 000, also fast die Hälfte, mit Öl beheizt. 88 000 Heizungen, knapp ein Drittel, wurden mit Gas betrieben. Etwa 60 Prozent der Ölfeuerungsanlagen und 50 Prozent der Gasfeuerungsanlagen waren über 20 Jahre alt. Die Schornsteinfegerinnung sieht deshalb großen Handlungsbedarf, denn die Feuerungs- und Heizungstechnik habe sich erheblich weiterentwickelt und biete großes Einsparungspotenzial.

Kohle und Öl

Heizungen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, sind schlecht für das Klima. Die Politik versucht deshalb, Emissionen zu sanktionieren und Alternativen zu fördern. Putins Krieg in der Ukraine hat dem Markt mit Kohle, Öl und Gas wohl noch mehr geschadet.

Besonders schwer haben es die Besitzer von Kohleheizungen. Obwohl schon lange abgeschrieben, sind noch einige im Landkreis Neunkirchen in Betrieb. Alexander Lesch liefert mit seiner Illinger Firma Raimund Lesch KG unter anderem Kohle aus. Doch seit dem Kohleembargo sei das nahezu unmöglich geworden, berichtet er. „Wir wissen nicht, wie wir die Kohlekunden noch versorgen sollen. Wenn mich Kunden anrufen und Kohle bestellen wollen, muss ich Nein sagen“, sagt Lesch.

Ölheizungen galten lange Zeit als die beste Alternative, um Geld zu sparen. Lesch bezeichnet jeden Betreiber als „Heizöl-Spekulanten“. Sie warten auf den günstigsten Moment, um tausende Liter Jahresvorrat zu kaufen. Doch seit die Preise im März explodierten, sind die Tage des billigen Heizöls wohl vorbei. Dazu kommt noch, dass der Gesetzgeber reine Ölheizungen ab 2026 verboten hat. Ab dann dürfen nur noch sogenannte Hybridheizungen (Ölheizung plus erneuerbare Energie) eingebaut werden. Deshalb räumt sogar Öllieferant Lesch ein, dass für viele Menschen wohl der neue Weg sei, fossilunabhängig zu bauen.

Gas aus Russland

Wer weg möchte von seiner alten Heizung, kann sich bei der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung kostenlos beraten lassen. Bis 2019 hat die KEW Hausbesitzenden für den Wechsel zu einer Gasheizung Fördermittel beschafft. Das sei damals auch eine gute Entscheidung gewesen, sagt Thomas Streit. Im Vergleich zu Kohle und Öl habe Erdgas die geringeren CO₂-Emissionen. „Das sind Fakten“, sagt er.

Doch für die KEW Neunkirchen und alle anderen Anbieter ist die Herkunft des Gases mittlerweile ein Problem geworden. Von wo genau das Gas herkommt, kann das Unternehmen nicht nachvollziehen. Aktuell stammt jedoch noch ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Gases aus Russland.

Auch Andreas Lorschiedter hat die neuen Probleme von Gasheizungen verfolgt. „Letztes Jahr wollten viele noch ein neues Gasbrennwertgerät, doch jetzt sind die Leute unsicher“, sagt der Mann von der Heizungsbauer-Firma P. Martin & Söhne GmbH in Neunkirchen.

Lieber Emissionen sparen als Geld?

Beim Wechsel der Heizungsart sei es wesentlich, die Rahmenbedingungen im Haus zu beachten. In seinen Beratungen hat Andreas Lorschiedter jedoch beobachtet, dass Kundinnen und Kunden inzwischen zunehmend auf Umweltaspekte achten würden und weniger auf die Investitionskosten einer Heizung. So würde er immer häufiger nach dem Einbau von Wärmepumpen gefragt. „Aber der Strom dafür wird auch durch Gas erzeugt“, bemerkt Lorschiedter.

Die KEW vermittelt eine Lösung: Photovoltaik auf dem eigenen Dach. Dafür gebe es jedoch jetzt so eine „Wahnsinnsnachfrage“, dass es zum Problem geworden ist. „Der Anbieter, mit dem wir zusammenarbeiten, könnte Sie frühestens nächstes Jahr beraten. Es fehlen einfach die Module für den Einbau“, sagt Streit.

Für Klimabilanz und Geldbeutel sticht eine Heizung besonders positiv hervor: Fernwärme. In Neunkirchen kommt diese zum Teil aus Abwärme aus dem Saarstahl-Werk, die sonst in die Luft abziehen würde. „Diese Heizungen produzieren weniger als ein Zehntel der Emissionen von Öl oder Gas“, erklärt Streit. Doch das Fernwärme-Netz erreicht nur städtisches Gebiet – ist also für Häuser im ländlichen Raum gar keine Option.