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Diese Abgeordneten aus dem Saarland gehören dem neuen Bundestag an

Nach der Bundestagswahl : Diese Abgeordneten vertreten das Saarland künftig im Bundestag – zwei verpassen den Wiedereinzug

Das Saarland stellt im neuen Bundestag neun Abgeordnete, einen weniger als bisher. Das geht aus Daten hervor, die der Bundeswahlleiter am Montagmorgen veröffentlichte. Unter den Gewählten sind sieben Männer und zwei Frauen. Die SZ stellt sie kurz vor.

SPD

  • Heiko Maas aus Saarlouis hat es geschafft: Im zweiten Anlauf hat er den Wahlkreis Saarlouis deutlich gegen Wirtschaftsminister Peter Altmaier gewonnen. Der Jurist war in der Landespolitik schon fast alles: Landtagsabgeordneter, Staatssekretär, Minister, Oppositionsführer. Nach drei erfolglosen Landtagswahlen wechselte er 2014 überraschend in die Bundespolitik, wurde dort Justizminister. Seit 2018 führt er das Auswärtige Amt. Ob der 55-Jährige im Falle einer SPD-geführten Bundesregierung Minister bleiben kann, ist aber eher fragwürdig.
  • Josephine Ortleb aus Saarbrücken ist die klare Siegerin im Duell gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie sitzt zwar erst seit 2017 im Bundestag, hat als Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion aber schon eine wichtige Position inne. Nach ihrem Sieg im Wahlkreis Saarbrücken 2017 konnte sie dies 2021 wiederholen. Die 34 Jahre alte Gastronomin und Restaurantfachfrau konnte in den vergangenen Tagen keine Wahlkampftermine machen, weil sie nach einer Infektion und einer Frühgeburt im Krankenhaus lag.
  • Christian Petry aus Illingen gehört dem Bundestag seit 2014 an – am Sonntag hat er erstmals ein Direktmandat im Wahlkreis St. Wendel errungen. Der 56-Jährige ist in der SPD-Fraktion europapolitischer Sprecher. In der Landespolitik ist er als Generalsekretär der saarländischen SPD tätig, außerdem engagiert sich der Verwaltungsbeamte, der einst enger Mitarbeiter des damaligen Innenministers Friedel Läpple war, als Ortsvorsteher von Welschbach in der Illinger Kommunalpolitik. Außerdem ist er Präsident der THW-Landeshelfervereinigung.
  • Esra Limbacher aus Kirkel scheiterte 2017 noch knapp als Direktkandidat im Wahlkreis Homburg am CDU-Bewerber Markus Uhl, doch diesmal klappte es – und das sogar ziemlich deutlich. Der 32 Jahre alte Jurist, der während seines Studiums in Saarbrücken und Exeter einen Schwerpunkt auf deutsches und internationales Steuerrecht legte, war nach dem Studium zunächst im saarländischen Wirtschaftsministerium tätig. Vor wenigen Monaten rückte Limbacher für Stefan Pauluhn in den Landtag nach. Ehrenamtlich engagiert er sich als SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag des Saarpfalz-Kreises.

CDU

  • Peter Altmaier aus Rehlingen zieht über die Landesliste in den Bundestag ein, nachdem er seinen Wahlkreis Saarlouis klar gegen Außenminister Heiko Maas (SPD) verloren hat. Der Jurist und ehemalige Beamte der EU-Kommission sitzt seit 1994 im Parlament. Bis zur Wahl 2005 unterlag er im Wahlkreis Saarlouis stets dem SPD-Abgeordneten Ottmar Schreiner. 2009, 2013 und 2017 holte er den Wahlkreis direkt. Der 63-Jährige gehörte zu Angela Merkels engsten Mitstreitern, arbeitete in der Bundestagsfraktion an ihrer Seite und wurde später Kanzleramts-, Umwelt- und zuletzt Wirtschaftsminister. Einer neuen Bundesregierung dürfte er nicht mehr angehören.
  • Annegret Kramp-Karrenbauer aus Püttlingen hat zwar ihren Wahlkreis Saarbrücken klar gegen Josephine Ortleb verloren, zieht aber über die Landesliste in den Bundestag ein. Die Politikwissenschaftlerin führte mehrere Ministerien im Saarland, bevor sie 2012 zur Ministerpräsidentin gewählt wurde. 2018 wechselte sie in die Bundespolitik, ihr Amt als CDU-Bundesvorsitzende gab sie nach relativ kurzer Zeit wieder ab. Falls die CDU weiterregiert, könnte die 59-Jährige im Kabinett bleiben, wenn auch nicht zwingend als Verteidigungsministerin.

Die CDU-Abgeordneten Nadine Schön (Tholey) und Markus Uhl (Homburg) haben den Sprung in den Bundestag nicht mehr geschafft. Schön hatte dem Parlament seit 2009 angehört und war zuletzt stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion. Uhl wurde 2017 erstmals ins Parlament gewählt. Beide verloren ihre Wahlkreise und schafften es wegen des schwachen CDU-Ergebnisses auch nicht über die Landesliste.

Linke

  • Thomas Lutze aus Saarbrücken sitzt seit 2009 im Bundestag, seine Schwerpunkte sind die Verkehrs- und Wirtschaftspolitik. Diesmal schaffte der 52-Jährige erneut den Einzug, obwohl Oskar Lafontaine davon abgeraten hatte, ihn zu unterstützen. Der Bürokaufmann ist seit Jahren die bestimmende Figur der Linken im Saarland. Sämtliche Versuche, ihn zu stürzen, misslangen seinen Gegnern bisher, Manipulationsvorwürfe prallten an ihm ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber noch wegen des Verdachts der Urkundenfälschung.

AfD

  • Christian Wirth aus Blieskastel ist seit 2017 im Bundestag und sitzt dort im Innenausschuss. Der promovierte Jurist war nach seinem Studium Rechtsanwalt mit Schwerpunt Arbeitsrecht, später Geschäftsführer und Justiziar eines Unternehmens. Seit 2016 führt er wieder eine Kanzlei. Wirth gehörte bis 2004 der FDP an. In der AfD, deren Landesvorsitzender er seit einem Jahr ist, setzte sich Wirth gegen zwei konkurrierende Lager durch. Seinen Schwerpunkt sieht der 58-Jährige in der Bundespolitik, für den Landtag will er 2022 nicht kandidieren.

FDP

  • Oliver Luksic aus Heusweiler hat mit seiner Partei, deren Landesvorsitzender er seit zehn Jahren ist, Höhen und Tiefen durchgemacht. Von 2009 bis 2013 saß er schon mal im Bundestag, flog dann raus und arbeitete als Berater für Kohlpharma, bis er 2017 nach Berlin zurückkehrte. Der heute 41-Jährige studierte Politikwissenschaft in Paris und London. Im Bundestag ist er der Verkehrsexperte. Bekannt wurde er als Gegenspieler von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Maut-Untersuchungsausschuss.

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