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Bischöfe aus Trier im Vatikan: Papst sieht Reformpläne skeptisch

Reformdiskussion in katholischer Kirche : „Bedenken und Vorbehalte“: Was die Trierer Bischöfe im Vatikan zu hören bekamen

Fünf Tage lang reisten die deutschen Bischöfe in Rom von Pontius zu Pilatus. Dabei ging es auch um dringend notwendige Reformen, die der Vatikan eher skeptisch sieht. Wie bilanziert Triers Bischof Stephan Ackermann die Vatikan-Visite?

Welche Botschaften haben die deutschen Bischöfe von ihrer knapp einwöchigen Reise in den Vatikan mit nach Hause gebracht? Die Äußerungen dazu in den zurückliegenden Tagen bieten noch Spielraum für Interpretationen. Ein Indiz dafür, dass die Meinungen über die als Folge des Missbrauchsskandals angestoßenen Reformdiskussionen in der katholischen Kirche Deutschlands auf der anderen Seite der Alpen immer noch eher skeptisch sind. Womöglich wäre sogar ablehnend der bessere Begriff.

Reformdiskussionen in der katholischen Kirche: Vatikan lehnt Synodalen Weg ab

In wichtigen theologischen Fragen habe man keine einheitliche Auffassung, bilanzierte denn auch am Ende des Treffens der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing. Der frühere Trierer Generalvikar sagte, die deutschen Bischöfe hätten „in keiner der uns bedrängenden Fragen gehört: Go! Das heißt, das Gespräch ist eröffnet“.

Der Papst hatte sich schon im Vorfeld des sogenannten Ad-limina-Besuchs mehrfach kritisch zum Synodalen Weg geäußert. Kritiker und Gegner des Dialogprozesses von Klerikern und Laien warnen vor einer Abspaltung der deutschen Kirche von Rom. Bätzing wertete es schon als Erfolg, dass ein von vatikanischer Seite ins Gespräch gebrachter Aufschub des Synodalen Wegs abgewendet wurde. Es sei aber auch kein verbindlicher Kurs für einen weiteren Fortgang der Gespräche über die Forderungen des deutschen Reformprozesses vereinbart worden.

In einem offiziellen Statement nach einem der Gespräche hieß es, dass zwei vatikanische Kardinäle „klar und offen die Bedenken und Vorbehalte, die gegenüber der Methodik, den Inhalten und den Vorschlägen des Synodalen Weges bestehen“, geäußert hätten. Was moderat klingen mag, dürfte im Klartext einer schroffen Ablehnung entsprechen.

„Die Themen, die wir beim Synodalen Weg diskutieren, und die Papiere, die wir erarbeiten, entfalten jetzt schon Wirkung“, bilanzierte nach der Visite der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Der 59-Jährige nahm gemeinsam mit den Weihbischöfen Robert Brahm, Franz Josef Gebert und Jörg Michael Peters an dem fünftägigen Ad Limina-Besuch teil. Es sei „sehr offen über die Situation der Kirche in Deutschland gesprochen“ worden, meinte der Trierer Bischof und ergänzte: „Einander im Original-Ton zu hören ist wichtig, gerade weil ja auch kontroverse Positionen im Raum stehen.“

Erneuerung kirchlicher Sexuallehre und Frauen in Weiheämtern gefordert

Kontroverse Positionen hatte es zuletzt auch beim Synodalen Weg gegeben. Nachdem Teile der Bischöfe einen Text zur Neubewertung der kirchlichen Sexualmoral kritisiert hatten, stellten sich die vier Trierer Bischöfe öffentlich auf die Seite der Reformer. Diese Texte hätten zwar nur den Charakter eines Gesprächsbeitrags, teilten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Doch sollten wir die Tatsache, dass die Kirche in Deutschland in einer solch öffentlichen und breit getragenen Weise Anfragen zu Themen formuliert, die lehramtlich offiziell als beantwortet gelten, nicht unterschätzen“, sagte der Trierer Bischof. Er denke dabei besonders an die Eingabe, den Vorbehalt der Weiheämter für Männer zu überprüfen, und auch die Bitte, die kirchliche Sexuallehre neu zu bewerten.

Ob und inwiefern der Vatikan in diesen Punkten womöglich zu kleineren Zugeständnissen bereit ist, wird sich zeigen. Eine Mehrzahl der deutschen Bischöfe will an dem in Deutschland eingeschlagenen Reformprojekt jedenfalls festhalten. Auch das Trierer Quartett. „Wir werden den Synodalen Weg zunächst wie geplant im kommenden Februar zu Ende bringen und die Ergebnisse dann in Rom vorlegen", meint Bischof Stephan Ackermann.

Was dort mit Reformvorschlägen mitunter geschieht, in diesem Punkt kann Ackermann ein Liedchen singen. Mit seinem ersten Anlauf für eine Reform im Bistum Trier holte sich der Bischof vor drei Jahren im Vatikan eine kräftige Abfuhr.