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Mutter, Kind, Ausbildung

Doris Brandt, hier mit ihrem Chef Sven Schaumlöffel und Sohn Jonas, absolviert eine Teilzeit-Ausbildung. Foto: Rolf Ruppenthal
Doris Brandt, hier mit ihrem Chef Sven Schaumlöffel und Sohn Jonas, absolviert eine Teilzeit-Ausbildung. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Saarlouis-Fraulautern. Für junge Frauen mit Kind ist es oft schwierig, eine Ausbildungsstelle zu bekommen oder sie im Fall einer Schwangerschaft zu behalten. Eine Lösung ist die Ausbildung in Teilzeit, wie sie etwa die 21-jährige Doris Brandt gerade durchläuft. Von SZ-RedaktionsmitgliedJennifer Back

Der einjährige Jonas strahlt, als Sven Schaumlöffel den Schnuller immer wieder aufhebt, damit ihn der Kleine direkt wieder auf den Boden werfen kann. "Ich bin selbst geübter Papa, da spielt man das Spiel immer wieder gerne", sagt der Geschäftsleiter beim Holzgroßhandel Becher in Fraulautern. Als Vater bringt er auch viel Verständnis für seine Auszubildende Doris Brandt auf, die Mutter des kleinen Jonas. Er gibt ihr die Chance, ihre Ausbildung, die sie schwangerschaftsbedingt ein Jahr unterbrechen musste, in Teilzeit fortzuführen. "Für uns ist das kein Problem. Es wäre eins in einem kleineren Betrieb mit nur einem statt vier Azubis und mit einem festen Tätigkeitsbereich", sagt der 35-jährige Leiter des auf Laden- und Innenausbau spezialisierten Betriebs. "Aber so können wir sehr flexibel reagieren." Brandt arbeitet nun wöchentlich 30 statt 40 Stunden, ihre Ausbildungszeit verlängert sich nicht.

Brandt war gerade im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau, als sie unverhofft schwanger wurde. Fragen wie "Gehe ich direkt nach der Elternzeit wieder arbeiten?" taten sich auf. "Ich hatte ja keine Ahnung, wie ich das alles anstelle", sagt sie. Außer Frage stand für sie, die Ausbildung abzubrechen, zumal es ihr bei Becher gefällt. Ihr sei immer klar gewesen, dass das "schon alles klappen" würde. So habe sie auch keine Angst gehabt, ihren Job zu verlieren.

Die 21-Jährige erfuhr recht zeitnah von der Möglichkeit einer Ausbildung in Teilzeit. "Ich glaube, darauf hat mich damals die Arbeitsagentur gebracht", sagt sie. Nach einem Gespräch mit ihrem damaligen Chef, der bis Ende 2012 Geschäftsleiter des Holzhandels war, sei die Sache geklärt gewesen.

"Ich bin froh, wenn Doris jetzt wieder zum Arbeiten kommt - und nicht etwa, weil sie eine Unterschrift von mir für einen Antrag braucht", sagt Schaumlöffel und lacht. Insgesamt sei die Abwicklung der Verträge unkompliziert über die Bühne gegangen. Bei der IHK habe er einen Antrag zur Änderung der Ausbildung stellen müssen. Zudem habe noch die Arbeitsagentur sowie die Familienkasse über die Vertragsänderung informiert werden müssen.

Bei der IHK Saarland sind nach Aussage von Michael Meter, Teamleiter für Ausbildung, derzeit 52 Auszubildende in Teilzeit gemeldet. In etwa 90 Prozent der Fälle sei die Kindererziehung der Grund, sich für dieses Arbeitszeitmodell zu entscheiden, sagt Meter. Attraktiv für Unternehmen ist das Modell vor allem deshalb, weil dieses dann nicht umsonst in den Auszubildenden investiert hat - anders als bei einem Ausbildungsabbruch. In vielen Fällen profitieren die Firmen zudem vom höheren Verantwortungsbewusstsein der jungen Eltern. Da Doris Brandt bis zu ihrem Mutterschutz eine gute Auszubildende gewesen sei, habe es nie zur Diskussion gestanden, ihr die Teilzeitstelle nicht zu geben, sagt Schaumlöffel.

Wenn Brandt, die mittlerweile alleinerziehend ist, ab August wieder arbeiten geht, besucht Jonas die Kinderkrippe. Seit Mai ist er dort zur Eingewöhnung. Die Befürchtung, die Doppelbelastung mit Kind und Beruf würde ihr zu viel werden oder sich auf ihre Leistung auswirken, hat die junge Mutter nicht. "In der Berufsschule hatte ich nie Probleme mitzukommen und immer gute Noten", sagt Brandt, die nach ihrer Mittleren Reife die Fachoberschule besucht hat. Ob sie nach ihrer Ausbildung übernommen wird, hängt laut Schaumlöffel von der Geschäftslage ab.


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HintergrundDas Berufsbildungsgesetz erlaubt es, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Dort heißt es: "Eine Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit ist dann möglich, wenn seitens des Auszubildenden ein berechtigtes Interesse vorliegt - er zum Beispiel ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen muss." Damit soll vor allem jungen Eltern die Chance auf eine Ausbildung gegeben werden. Auch bei Menschen mit Behinderung kommt ein solches Arbeitszeitmodell in Frage. Beträgt die Arbeitszeit bis zu 20 Wochenstunden, kann der ausbildende Betrieb die Ausbildung um ein Jahr verlängern. Liegt sie über 25 Stunden, ist eine Verlängerung nicht nötig. jeb