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Muss Grewenig Stiftungsposten räumen?

Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig. Foto: Ruppenthal
Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig. Foto: Ruppenthal
Saarbrücken. "Ich bin nicht Job suchend" - es war dies in der Vergangenheit der Standardspruch des Weltkulturerbe-Chefs Meinrad Maria Grewenig, immer wenn Gerüchte über Abwerbungen oder höhere Weihen im Saar-Kultur-Betrieb auftauchten Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken. "Ich bin nicht Job suchend" - es war dies in der Vergangenheit der Standardspruch des Weltkulturerbe-Chefs Meinrad Maria Grewenig, immer wenn Gerüchte über Abwerbungen oder höhere Weihen im Saar-Kultur-Betrieb auftauchten. Was den Kulturmanager freilich nicht daran hinderte, im Frühjahr 2011 kraftvoll zuzugreifen, als ihm der damalige Kulturminister Karl Rauber (CDU) den Interims-Vorstands-Posten in der krisengeschüttelten Stiftung Saarländischer Kulturbesitz anbot.


Mittlerweile, so sagt Grewenig, sei der "Karren fast ganz aus dem Dreck". Und meint damit: Skandale, Pannen, Gerichtsprozesse blieben unter seiner Führung aus. Der finale Schub in eine bessere Stiftungs-Zukunft ist freilich noch nicht erfolgt - doch eben dies dürfte Grewenig aller Voraussicht nach den Job als mächtigster Museumsmann des Saarlandes kosten. Denn das neue Stiftungsgesetz von Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) wird nicht nur die Organisations- und Kontroll-Strukturen der wichtigsten Kultur-Stiftung des Landes neu regeln, sondern soll wohl auch einen personellen Neuanfang markieren. Hinweise mehren sich, dass Commerçon den Vorstandsposten nicht einfach wieder besetzen will - sprich an Grewenig durchreichen wird -, sondern dass die Stelle ausgeschrieben werden soll. Wie die SZ aus gut informierten Kreisen erfuhr, will man dem "Eventmann" Grewenig die Aufgabe nicht dauerhaft anvertrauen. Das Kultusministerium möchte dies weder bestätigen noch dementieren. "Der Minister wird die Frage zuerst im Kuratorium beraten, bevor er sich öffentlich äußert", so Ministeriums-Sprecher Jürgen Renner auf SZ-Nachfrage.

Freilich erzählt man andernorts bereits, dass der Minister ziemlich entschieden sei: Ein neuer Kopf soll für den Neustart des Saarlandmuseums stehen. Genährt werden solche Mutmaßungen durch manche Reibung der vergangenen Monate. Es ist kein Geheimnis, dass sich Commerçon auch durch Grewenig übergangen sah, als die CDU im November einen Bundes-Millionen-Zuschuss für den 4. Pavillon ins Land holte - hinter seinem, dem Rücken des zuständigen Ministers. Man munkelt von einer nachhaltigen Stimmungstrübung, ja von einer Vertrauenskrise zwischen der Stiftungs- und der Ministeriums-Spitze. Den widerspricht Grewenig.



Eine Bewerbung auf eine Stellenausschreibung käme einer Demütigung gleich. Grewenig sagt: "Ich bin temporär angetreten, daraus sind zwei Jahre geworden. Ich muss nicht um jeden Preis jeden Job machen. Ich habe eine Stelle. Mein erstes Ziel ist das Weltkulturerbe." Wobei Grewenig in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass er eine Zweifach-Zuständigkeit durchaus reizvoll fände - unter der Voraussetzung einer organisatorischen Zusammenführung der Institutionen. Heute sagt er: "Beide Posten in dieser Form parallel zu führen, ist auf Dauer nicht machbar". Eine Rückzugs-Bewegung?

Unklar ist, welche "Entschädigung" die Regierung für Grewenig, den verdienten Retter in ärgster Not, vorgesehen hat. Formal endet Grewenigs Amtszeit mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Nicht nur seine, auch die seines kaufmännischen Kollegen Bernd Therre; auch Kuratorium und Beirat müssen neu besetzt werden. Die Zeit drängt. Denn unabhängig vom neuen Gesetz, dessen Entwurf nach SZ-Informationen bereits am nächsten Dienstag das Kabinett passieren soll und das danach an die Landtagsfraktionen weitergereicht wird, endet die Amtszeit der jetzigen Gremien-Mitglieder nach dem noch gültigen Gesetz turnusgemäß im April (Kuratorium) beziehungsweise im Mai (Beirat).