Musikhändler tun sich zusammen

Musikhändler tun sich zusammen

Der Musikhändler Arthur Knopp aus Saarbrücken will sich mit seinen Kollegen zu einer Genossenschaft zusammenschließen. Sie wollen so unter anderem den Kampf gegen den Internet-Handel aufnehmen.

"Viele kleinere und mittlere Musikfachgeschäfte werden sich auf Dauer nur behaupten können, wenn sie zusammenarbeiten oder sich zusammenschließen", sagt der Senior-Chef des Musikhauses Knopp in Saarbrücken , Arthur Knopp. Knopp ist Präsident des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM) und hat in dieser Funktion die Gründung einer Genossenschaft mehrerer Musikfachgeschäfte auf den Weg gebracht. "Ich gehe davon aus, dass wir in der ersten Februarhälfte mit 15 bis 20 Geschäften starten", sagt Knopp.

30 Händler im Saarland

In ein bis zwei Jahren hofft er dann, dass 50 Mitglieder an der Genossenschaft beteiligt sein werden. Insgesamt gibt es in Deutschland noch 1922 Musikgeschäfte, von denen rund 300 für zwei Drittel des Umsatzes stehen. Insgesamt setzt der Handel pro Jahr rund 1,1 Milliarden Euro um. Im Saarland gibt es rund 30 eingetragene Händler , davon zwölf mit nennenswertem Geschäftsbetrieb. "Teilweise gibt es auch Musiklehrer, die als Händler registriert sind, um ihren Schülern Instrumente verkaufen zu können", erklärt Knopp diese Differenz.

Ziel der Genossenschaft ist es einerseits, als Einkaufsgemeinschaft günstigere Konditionen aushandeln zu können, andererseits aber auch gemeinsam für die Zukunft des Musizierens zu arbeiten. "Denkbar wäre eine gemeinsame Marke, unter der die Läden auftreten, aber auch gemeinsame Werbeaktionen", sagt Knopp. Als Beispiel nennt er die Euronics-Elektro-Märkte, die aus einer ähnlichen Situation heraus entstanden sind.

Gerade die Konstruktion einer Genossenschaft sieht er für die Musikbranche als eine Idealform an. Denn so könnten die kleineren und mittleren Musikfachgeschäfte ihre Größe beibehalten - für kleine und mittelgroße Geschäfte sei es letztlich im Gegensatz zu den Großen ein Wettbewerbsvorteil, dass sie noch mehr Nähe zum Kunden aufbauen könnten und so auch einen besseren Service bieten können.

Trotzdem befindet sich der Musikalienhandel insgesamt in einer schwierigen Lage. Zunehmend würden Kunden Instrumente auch über das Internet kaufen. "Wer sich richtig mit einem Instrument beschäftigt, will es natürlich in der Hand haben, ausprobieren und deshalb in einem Fachgeschäft kaufen", sagt Knopp. "Aber es gibt auch Leute, die sich ein Instrument zeigen lassen, und dann ein ähnliches im Internet kaufen." Gerade bei elektronischen Instrumenten wie Keyboards käme das vor. "Es gibt auch Menschen, die sich ein Klavier fertig gestimmt in einer Aktion beim Discounter kaufen", sagt er. Um dieser Zielgruppe zu begegnen, sei auch geplant, mit der Genossenschaft einen Internet-Shop anzubieten.

CD-Geschäft geht zurück

Wenig Hoffnung hat Knopp bei einer Ausweitung des Geschäftsfeldes. Sein Laden in Saarbrücken bietet zusätzlich noch CDs an und kooperiert mit der Deutschen Radio-Philharmonie beim Kartenverkauf. Er betrachtet das eher unter dem Service-Aspekt. Gerade bei den CDs gehe der Umsatz angesichts der neuen technischen Möglichkeiten weiter zurück. "Das haben wir eher gemacht, weil es in Saarbrücken kaum noch Läden gibt, die CDs mit klassischer Musik und Jazz anbieten", sagt er. Die Verkäufe würden letztlich aber kaum mehr als die Miete einspielen.

Der Saarbrücker Musik-Händler beklagt insgesamt ein zunehmendes Desinteresse der Gesellschaft am Musizieren. So werde dem Musikunterricht in Elementarschulen, aber auch in den Kindergärten, kaum oder nur wenig Beachtung geschenkt. Gerade dort müsse das Interesse an der Musik aber schon geweckt werden. Hier müsse auch der Musikfachhandel aktiv werden. Für die Händler sei es die entscheidende Herausforderung, "den jungen Menschen die besondere Faszination des aktiven Musizierens zu vermitteln."

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