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Musik für Generationen: Zum Tode von Gerd Albrecht

Berlin. Er sei „von brennender Neugier beseelt“, sagte Gerd Albrecht noch voriges Jahr, kurz bevor er im April in Saarbrücken das Eröffnungskonzert der Musikfestspiele Saar dirigierte. Mit damals 77 Jahren war er tatsächlich immer noch neugierig auf neue, auf unerhörte Musik. Oliver Schwambach

Vielleicht erklärt das auch, warum dieser Mann, der als Dirigent wie als Musikpädagoge gleichermaßen bedeutend war, so unermüdlich Zeitgenössisches auf die Konzertspielpläne setzte, aber auch "vergessene" Komponisten. Albrecht war auch ein Anwalt jener Komponisten, denen die Nazis nicht allein das Leben nahmen.

Gerd Albrecht wirkte in seiner Erscheinung stets hanseatisch, dabei war er in Essen geboren. Bereits mit 27 Jahren hatte er seine erste Stelle als Generalmusikdirektor in Lübeck inne und wurde rasch zu einem der prägenden deutschen Dirigenten nach dem Zweiten Weltkrieg. Höchst produktiv für das Musiktheater war seine Zeit an der Spitze der Hamburgischen Staatsoper (1988 bis 1997). Gemeinsam mit Intendant Peter Ruzicka machte er bedeutende Neuproduktionen möglich. Die Hamburger Oper zählte mit zur Weltspitze in diesen Jahren. Als Orchesterdirigent hatte Albrecht schon zuvor (aber auch parallel dazu) seine Meriten. Er leitete das Zürcher Tonhalle Orchester und ab 1991 die Tschechischen Philharmoniker. Keine leichte Aufgabe: Der deutsche Chef in Prag stieß nicht nur auf Gegenliebe, auch weil Albrecht politisch kein Blatt vor den Mund nahm.

Bei seinem wichtigsten Publikum freilich war Gerd Albrecht immer beliebt. Vor Jahren bereits richtete er in Berlin und Hamburg "klingende Museen" ein, in denen Kinder an die Musik heran geführt werden: wohl das wichtigste Vermächtnis des großen Dirigenten, der jetzt mit 78 Jahren in Berlin gestorben ist.