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Mr. Perick und sein Saarbrücker Orchester

Weggefährte aus frühen Tagen: Christof Prick war von 1974 bis '77 Chef des Saarbrücker Theaterorchesters. Foto: Oliver Dietze
Weggefährte aus frühen Tagen: Christof Prick war von 1974 bis '77 Chef des Saarbrücker Theaterorchesters. Foto: Oliver Dietze
Saarbrücken. Manchmal kommt's auf jeden Buchstaben an. Ein kleines "e" in diesem Fall. Folgt man nämlich Christof Prick nach Übersee, verlöre man ihn dort schnell aus den Augen, fügte man nicht ein "e" in seinen Namen ein: Aus Prick wird Perick. "Die Amerikaner tun sich sonst mit der Aussprache schwer", sagt der Dirigent, der als Mr Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Saarbrücken. Manchmal kommt's auf jeden Buchstaben an. Ein kleines "e" in diesem Fall. Folgt man nämlich Christof Prick nach Übersee, verlöre man ihn dort schnell aus den Augen, fügte man nicht ein "e" in seinen Namen ein: Aus Prick wird Perick. "Die Amerikaner tun sich sonst mit der Aussprache schwer", sagt der Dirigent, der als Mr. Perick in den 90ern das Los Angeles Chamber Orchestra leitete und von 2001 bis 2010 das Charlotte Symphony Orchestra. Herr Prick nun war diesseits des großen Teiches Generalmusikdirektor (GMD) der Badischen Staatskapelle in Karlsruhe, Chef des Niedersächsischen Staatsorchesters samt Oper in Hannover und bis jetzt auch verantwortlich am Nürnberger Staatstheater fürs Orchester. Eine stolze Dirigenten-Vita. Nur, was hat das alles mit dem Saarländischen Staatsorchester zu tun?Viel, denn nach frühesten Kapellmeister-Jahren in Trier und Darmstadt wurde der gebürtige Hamburger 1974 mit erst 27 Jahren Generalmusikdirektor und Operndirektor in Saarbrücken. "Für einen jungen Kerl war das damals eine einmalige Chance", sagt er. "Ich konnte hier vieles lernen, auch wie dieser Apparat Theater funktioniert." Mit Dankbarkeit sagt er das. Auch, weil sich das Saarbrücker Orchester damals so positiv auf den Jungspund einließ. Schaut er allerdings heute auf die Reihen des Staatsorchesters, sind es bloß noch eine handvoll Musiker, die er von damals kennt.


Immer mal wieder stand der einstige Chef als Gastdirigent vor den Musikern. Jetzt war Prick mit dem Staatsorchester auch auf einer Mini-Tournee in St. Malo, wo man die Saarbrücker feierte. "Solche Reisen sind wichtig, damit ein Orchester mal mehrere Tage Konzerte spielen kann, ohne Unterbrechung durch die Oper. Das beflügelt." Und der Vergleich einst und heute? "Es ist ein Orchester geblieben, das immer etwas Besonderes will", sagt Prick. Weil sowas leicht nach falscher Höflichkeit klingen könnte, setzt er nach: "Das ist nicht überall so."

Vier Jahre blieb Prick in Saarbrücken, dann lockte "die größere Aufgabe" in Karlsruhe. Bis heute hatte er vier deutsche GMD- und Orchesterchef-Positionen inne. Ein Kenner des ob seiner staatlichen Alimentierung immer wieder kritisierten deutschen Theater- und Orchestersystems. Prick kennt aber auch das andere. Parallel arbeitete er in den USA. "Da muss man jeden Dollar, den man ausgibt, erstmal bei Sponsoren besorgen." Und man müsse schon mal 1000 Kilometer fliegen, bis man zu einer nennenswerten Bühne kommt. "Hier fährt man anderthalb Stunden nach Mannheim zur nächsten großen Oper", sagt Prick. "Ihr lebt im Paradies", höre er in den USA immer wieder, wenn's um Deutschland, das Kulturland, geht.



Aber auch aufs Paradies fallen Schatten. "Das Primat der Musik in der Oper schwindet", meint Prick, vergleicht er seine heutigen Erfahrungen mit seinen frühen Jahren in Saarbrücken. "Wir mussten damals nicht jede Oper auf den Kopf stellen." Heute beanspruche die Regie meist die Führung. In diesem Sinne erinnert sich Prick gern an die musikalischen Taten in Saarbrücken. Vor allem an eine Aufführung des "War Requiems" von Benjamin Britten - kurz nach dem Tod des Komponisten. Mit Tenor Peter Pears, Brittens Lebensgefährten. Ein Stück Musikgeschichte.