Morgens der Erste und abends der Letzte

Morgens der Erste und abends der Letzte

Heusweiler. Der Betrieb ist sein Leben. Helmut Schäfer in Heusweiler (73) denkt nicht im Mindesten ans Aufhören. Er ist wohl einer der ältesten noch aktiven Fliesenlegermeister im Saarland. "Zwölf bis 14 Stunden dauert mein Arbeitstag. Ich bin morgens der Erste hier und abends der Letzte", berichtet der quirlige und drahtig-schlanke Schäfer

Heusweiler. Der Betrieb ist sein Leben. Helmut Schäfer in Heusweiler (73) denkt nicht im Mindesten ans Aufhören. Er ist wohl einer der ältesten noch aktiven Fliesenlegermeister im Saarland. "Zwölf bis 14 Stunden dauert mein Arbeitstag. Ich bin morgens der Erste hier und abends der Letzte", berichtet der quirlige und drahtig-schlanke Schäfer. Dabei hatte sein Vater, ein Schneidermeister, anderes mit ihm vor: "Ich sollte Beamter werden. Nach der Mittleren Reife machte ich auch eine Ausbildung und wurde bei der Bundesbahn Zollassistent. Das war aber nichts für mich, ich sah da keine Perspektiven."Ein Onkel Schäfers war in der Baubranche tätig. Das Metier gefiel ihm und er machte eine Lehre als Fliesenleger bei "Platten Deutsch" in Saarbrücken, weitere Stationen etwa als Bauleiter folgten. 1964 legte Schäfer die Fliesenlegermeisterprüfung bei der Trierer Handwerkskammer ab und machte sich im gleichen Jahr selbstständig - im Elternhaus in Heusweiler in der Trierer Straße, heute noch Sitz des Schäfer-Unternehmens. "Ein Lehrling, ein Geselle und ich, dann ging's los", sagt er. Das Fliesenlegergewerbe blieb vom Lauf der Zeit nicht verschont. Es gab neue Trends: "Damals verlegten wir fast nur die kleinen Formate wie 10,8 mal 10,8 cm oder 15 mal 15 cm im Dickbettmörtel." Heute kommen immer stärker die Großformate wie 60 mal 60 cm, die hohe Anforderungen an die Verlegtechnik stellen. Auch die Farben gingen mit der Zeit: Dominierten einst Grau, Creme- oder Brauntöne die Wände der saarländischen Häuser, kennt die Motiv- und Farbenvielfalt heute fast keine Grenzen: "Helle Farben dominieren." Auch "Original-Terrazzo wird kaum noch gefragt." Zunehmend kamen Natursteine dazu, die heute zehn Prozent vom Schäfer-Verlegevolumen ausmachen. 70 Prozent entfallen auf Fliesen und 20 Prozent auf den Ofenbau, der von Ofenbaumeister und Schäfer - Sohn Markus (43) betreut wird. Er ist mittlerweile auch Geschäftsführer der Helmut Schäfer GmbH, der Senior quasi Angestellter in der von ihm gegründeten Firma. "Die Nachfolge ist damit seit 2008 geregelt". Helmut Schäfers Tätigkeit heute: Planung, Baustellenleitung und -bewachung sowie Angebotserstellung. "Wir müssen auf dem neuesten Stand sein. Jährlich besuche ich vier bis fünf Seminare für Weiterbildung: "Man darf nie ruhen." Das starke Aufkommen der Baumärkte hat "uns einen großen Teil des früheren Fliesenhandelsgeschäftes abgenommen", sagt er. "Wir machen aber keine Lohnarbeiten für Leute, die im Baumarkt ihre Fliesen kaufen. Wir müssen für Produkt und Leistung geradestehen." Nach wie vor setzt Schäfer auf eine anspruchsvolle Privatkundschaft, die Beratung braucht. Sie macht 60 Prozent des Jahresvolumens aus, die öffentliche Hand ("Harter Preiswettbewerb") steht für 20 Prozent und die anderen 20 Prozent für gewerbliche Aufträge.

Ärgerlich wird Helmut Schäfer, wenn er an die Reform der Handwerksordnung vor Jahren denkt: "Was der Clement (früherer SPD-Bundeswirtschaftsminister, die Red.) da gemacht hat, war gut gemeint, ging aber voll nach hinten los." Gemeint ist der Wegfall der Meisterprüfung als Voraussetzung für die Eröffnung eines Fliesenleger-Betriebs. "Damit wird unser Beruf ruiniert und das Image kaputt gemacht, weil Leute Fliesen verlegen, die davon keine Ahnung haben. Und wir bekommen den Ärger geschädigter Kunden ab." Gleichwohl: Der Heusweiler Betrieb ist ordentlich ausgelastet und zählt mit Vater und Sohn elf Mitarbeiter.

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